Archiv für den 24. November 2006

IE7: Sachen zum Lachen

Freitag, 24. November 2006 um 16:16 von Thomas S

Warnung: Dieser Artikel ist subjektiv gefärbt. Für optimales Lesevergnügen, speziell von IE-Nutzern, empfehle ich den Objektivitätsmodus einzuschalten und meine herablassenden Untertöne zu überlesen.

Bis vor einer Weile dachte ich noch, der IE7 wäre optisch ein überzeugendes Produkt, das in Zukunft viele vom Umstieg auf andere Browser abhalten wird oder das eine Reihe von Leuten wieder zurückholen wird in die Arme der Internet Explorer-Benutzerschaft. Denn mit überzeugender Optik hat Microsoft noch jedem technisch überlegenden Konkurrenten das Handwerk gelegt.

Eins

Damals testete ich eine Standalone-Version des IE7 und dachte noch an ein paar künstlerische Zaubergriffe von Microsoft. Nun aber sehe ich das Endprodukt, und das sieht alles andere als so toll aus, wenn man eine Bewertung aller Browser machen würde. Vor allem im klassischen XP-Theme ist das Ergebnis eher peinlich.

Das war schon mal die erste Schmunzelei.

Zwei

Die nächste ist die Platzierung der Symbolemente. Es ist schon sehr verwunderlich, dass man Aktualisieren und Stopp weit weg von Vor und Zurück zwischen Adresszeile und Suchleistegesetzt hat. Die Gedrängtheit in der darunter liegenen Symbolleiste ist noch seltsamer. Da tummeln sich die Lesezeichen-/Favoritenverwaltung, alle Registerkarten mitsamt Vorschau sowie alle Menüeinträge, für die es früher die Menüleiste gegeben hat. Prost Mahlzeit.

Drei

Die Zoom-Funktion ist wirklich witzig (oder lächerlich), denn sie zoomt wirklich alles, auch die Seitenbreite und die Scrollbalken. Vertikale Horizontale Scrollleisten und das hin- und herscrollen (nicht rauf- und runterscollen) werden die nächsten Jahre einen Boom erleben mit dem IE7. Wenn das nicht die Freunde eingefärbter Scrollleisten freut. Sogar meine Website oesterchat.com bekommt beim Zoomen vertikale Scrollbalken, obwohl die Maximalbreite des Inhalts noch lange nicht an den Fensterrand trifft.

Dem Problem mit dem Seitenzoom hat man sich bei den Webkrauts schon gewidmet: Seitenzoom - Ärger vorprogrammiert.

Vier

Die Internetoptionen sind noch immer verschachtelt, verkorkst, klein und unübersichtlich wie schon Mitte der Neunziger. Wenn man etwas sucht, findet man es meist in einem Untermenü eines Untermenüs einer Registerkarte der Internetoptionen. Aber man ist das ja aus anderen Optionenmenüs von Windows gewöhnt.

Fünf

Zur Webstandards-Unterstützung habe mich früher schon geäußert. Alles in allem ist es sehr erfreulich, dass die gröbsten CSS-Fehler bereinigt und ein paar neue Funktionen hinzugefügt wurden (transparente PNG-Bilder, position:fixed und min-width/max-width seien hervorgehoben), trotzdem weist der IE7 immer noch die größten Mängel aller bekannteren Browser auf. Das ist weiterhin ein Armugszeugnis für die milliardenschwere Entwicklerfirma und sollte jeden Webentwickler und Freund von Webstandards abhalten, seine Werbung für andere (”alternative”) Browser aufzugeben.

(Eigentlich ist dieser Punkt nichts zum Lachen sondern zum Weinen. Aber wer nicht mehr lachen kann, hat sowieso schon verloren.)

Sechs

Wenn wir schon bei Webstandards angelangt sind, kann man auch gleich ein Beispiel nennen, an dem man sieht, wie weit die Entwickler bei Microsoft noch entfernt sind – Hilfe von Webstandards.org für Microsoft hin oder her. Dies ist dann die letzte Lachnummer für heute.

Öffne eine neue Registerkarte im Offlinebetrieb, wenn nur eine leere Seite als Startseite angegeben ist, und betrachte den Quelltext der erscheinenden Seite. Sie nennt sich “Registerbrowsen” (hust) mit der Überschrift “Sie haben eine neue Registerkarte geöffnet.” Das haben wir wirklich, und diese Seite sieht optisch sehr hübsch aus. Aber der Quelltext offenbart den schlimmsten Webstandards-Horror.
Für dieses simple Dokument in HTML 4.01 Transitional werden JavaScripte und Layouttabellen verwendet, dass sich die Balken biegen, jede Ausgabezeile hat sein eigenes ID- oder Class-Attribut und sogar eine Mischung aus HTML- und XHTML-Schreibweise kommt vor. Das, meine Damen und Herren, ist wahrlich ein Armutszeugnis, das sich gewaschen hat.

Achja, neben Webstandards hat Microsoft auch anderweitig Probleme: Zum Beispiel wird auf der Seite, auf der man Suchmaschinen seiner Suchleiste hinzufügen kann (Link), der alte und vielgerügte Satz: „Klicken Sie hier, um mehr darüber zu erfahren.” verwendet, wobei die ersten 3 Wörter natürlich den Hyperlink darstellen …

Ausblick

Dieses Jahr wurde ich geblendet von der Zusammenarbeit Microsofts mit Webstandards.org und dem Hinzufügen einiger weniger, aber wichtiger CSS-Befehle. In älteren Beiträgen kann man meine Hoffnung auf Besserung in Zukunft beim IE-Entwicklerteam nachlesen. Mit ein paar Notreparaturen hat sich aber nichts geändert, wenn man die Sache näher betrachtet. Das IE-Team muss seinen Willen erst noch beweisen mit IE8. Dort zählt dann die Ausrede nicht mehr, dass sie zuerst Arbeiten an der Benutzeroberfläche durchführen müssen, anstatt die (schwierigeren) Reparaturen am Innenleben des IE zu machen.

Man darf gespannt sein, ob IE7 den Abwärtstrend des Microsoft-Browsers stoppen kann. Dass man über dieses Teil und seine Auswirkungen lachen und weinen kann, ist sicher auch für die Zukunft garantiert.

Positives an der Oberfläche

Zum Abschluss nun noch Dinge, die mir am IE7 gefallen:

  • dass die Tabs “Registerkarten” heißen,
  • dass die Druck-/-vorschaufunktion sehr gut und komfortabel ausgeführt wurde,
  • dass es eine eingebaute Registerkartenübersicht gibt (obwohl sie nicht optimal ausgeführt wurde, da z.B. die Schließen-Schaltfläche nicht vom Vorschauinhalt optisch getrennt ist und man sich verklicken könnte)

und vor allem

  • dass neue Nutzer sanft in die neuen Themengebiete wie Registerkarten, Suchleiste und Feeds eingeführt werden.

Dieser letzte Punkt fehlt mir vor allem immer wieder bei Firefox. Je mehr Firefox auch von technisch Nichtversierten genutzt wird, um so mehr zeigt sich dieses Fehlen an Hilfeleistung. Ein paar spärlich bestückte Webseiten reichen da nicht aus. Da muss mehr im Browser selbst vorgeführt werden wie im IE7 mit dem Informationstext in neuen Registerkarten oder den Fragen beim ersten Browserstart (dies sollte beliebig wieder aufzurufen sein, um z.B. dem Onkel, dem man Firefox installiert hat, später noch die Möglichkeit zu geben, die Informationen in Ruhe zu lesen).

Bitte an IE6-Nutzer

Und eine Bitte an die IE6- und überhaupt alle Windows XP-Benutzer: Wechselt bitte auf den IE7, damit der noch größere, uralte Schrott namens IE6 möglichst bald in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Andere Browser auszuprobieren ist natürlich weiterhin angeraten – besonders für ältere MS-Betriebssysteme.

6 Kommentare vorhanden Abgelegt unter Webstandards, Browser


Webkrauts-Logo

Barcamp-Logo

BlogInfo

Kalender

November 2006
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Neueste Beiträge

Kategorien

Monatsarchiv

Meta/Verwaltung