Die Fertigstellung von Thunderbird 3 schreitet voran. Die 3. Beta kommt hoffentlich noch im Juni oder spätestens Juli. Ich bin gespannt, welche Neuerungen per Voreinstellung aktiviert sein werden. Die Bugzilla-Liste mit “b3ux” markierten Bugs gibt Aufschluss über die wichtigsten noch anstehenden Arbeiten an der Oberfläche/Usability für die 3. Beta. Besonders auf das neue Suchwerkzeug, das mit Gloda arbeitet, und eine überarbeitete (abgespeckte) Symbolleiste freue ich mich – wenn es denn rechtzeitig (oder überhaupt) für Thunderbird 3 fertig wird.
Was erwartet die hoffnungsvollen Thunderbird-Nutzer sonst noch nach bisherigem Stand?
- Für Endanwender ist das direkte Eingeben/Verwalten von Signaturtext je Konto sicher eine der wichtigsten Verbesserungen. Bislang musste man eine Text- oder HTML-Datei erstellen und diese mit Thunderbird verknüpfen. Das ist sehr aufwändig und umständlich und für Unwissende eigentlich unmöglich, da es nicht selbsterklärend ist. Nun kann jeder Otto Normalverbraucher seine Text- oder HTML-Signatur direkt in der Kontoverwaltung eingeben und fertig.

- Mit der Archivieren-Funktion kann man alte Mails in einen Ordner seiner Wahl ablegen lassen. So stören sie nicht mehr in aktiven Ordnern. Dabei kann man (im Konfigurations-Editor für Fortgeschrittene) wählen, ob man alles in einem einzigen Ordner haben will, ob Unterordner je Jahr oder auch Unterordner je Jahr und Monat erstellt werden sollen. Hoffentlich lässt sich dieses Schema in der nächsten Thunderbird-Version auf eigene Bedürfnisse anpassen.

- Die Schnelleinrichtung von Konten ist für mich eine der innovativsten Verbesserungen an Thunderbird 3: Einfach seinen Namen, seine vollständige E-Mail-Adresse und sein Passwort eingeben und das Programm sucht sich in einer bei Mozilla gespeicherten Liste die passenden POP-, IMAP- und SMTP-Daten. Bevorzugt werden glücklicherweise gesicherte Verbindungen mit SSL oder TLS. Werden keine passenden Daten gefunden, kann man sie selbst vervollständigen. – Ich bin fast geneigt zu überlegen, meine eigene Domain da einzutragen (falls das überhaupt ginge); dann muss ich mir die ganzen Einstellungen nicht mehr merken.

- Mit dem Activity-Manager wird man endlich die Hintergrundvorgänge nachvollziehen können: Von welchem Konto wurden wie viele Mails abgerufen, wann wurden Mails wohin verschoben oder gelöscht usw. Leider habe ich noch keine Datei gefunden, in der diese Daten abgespeichert werden. Es wäre schade, wenn sie nicht abgespeichert werden, da der Activity-Manager beim Beenden von Thunderbird geleert wird.

- Da die Schaltflächen für “Antworten, Weiterleiten, Löschen” usw. näher bei den Mails selbst sein sollen, hat man sich entschieden, die Schaltfläche von der Symbolleiste direkt in den Kopf der Mailansicht zu verschieben. Ich finde das sehr gut. Leider ist es noch nicht flexibel – man kann noch nicht wie in der Symbolleiste einzelne Symbole ausblenden oder hinzufügen. Das ist aber für die danach folgende Thunderbird-Version geplant.

- Gloda ist das Zauberwort, hinter dem sich die “Globale Datenbank” verbirgt. Durch die Indexierung wird die Suche nach und in Mails um ein Vielfaches schneller als bisher.
- In Verbindung mit den beiden Vorgängerpunkten (Symbole in die Mailansicht verschoben und Gloda) hoffe ich ganz stark auf die neu gestaltete Symbolleiste mit einem verbesserten Suchwerkzeug. Eine Vorschau davon konnte man im Februar mit der innovativen Erweiterung “exptoolbar” erleben. Der Umgang ist sehr viel anders als alles bisherige in Mailprogrammen. Aber wenn auch nur 30% davon umgesetzt werden würden, wäre das schon ein Segen.
- Ordner und Mails lassen sich in Tabs anzeigen. Leider ist die ganze Sache derzeit noch unausgegoren. Geöffnete Tabs lassen sich nach einem Programmneustart nicht wieder herstellen, Tabs lassen sich nicht verschieben, Mails lassen sich nicht automatisch in Tabs öffnen usw.
- Adressen kann man mit dem Stern in der Mailansicht schnell in das Adressbuch eintragen wie in Firefox die Lesezeichen.

- Die Kalender- und Aufgabenverwaltung Lightning wird nicht fix eingebaut, sondern ist weiterhin ausschließlich als Erweiterung nachträglich installierbar. Dieser Schritt wurde vor Monaten notwendig, da die meisten Lightning-Entwickler von Sun Microsystems vom Projekt abgezogen wurden und nun die nötigen Ressourcen zum Weiterentwickeln fehlen. Als Erweiterung ist Lightning unabhängig von Thunderbirds Veröffentlichungszyklus und kann selbst seinen “Rhythmus” finden.
- Neues 2009-09-17: Erst heute habe ich herausgefunden, dass nun auch endlich DSN, die Anforderung eines Übermittlungsstatus, mit Tb3 möglich sein wird und nicht nur die Anforderung eines MDN, einer Empfangsbestätigung. Derzeit ist diese Funktion nur über das Einstellungen-Menü im Verfassen-Fenster (also im Fenster, in dem man die Mail schreibt) verfügbar. In Bugzilla #93085 ist man sich noch nicht einig über die Integration in die Thunderbird-Einstellungen. (In Thunderbird 2 kann man DSN über Trustedbird als Erweiterung nachinstallieren.)
Leider werden tiefgreifendere Arbeiten am System wie die Umstellung des Mail-Speicherformats auf ein Datenbank-ähnliches System, Integration von Social-Network- und Messenger-Fähigkeiten und anderes auf eine künftige Version von Thunderbird nach 3.0 verschoben. Wichtig ist aber erstmal, dass alle Verbesserungen von Gecko 1.9.1 (welches auch Firefox 3.5 seine Schnelligkeit verleiht) endlich die Thunderbird-Nutzer erreicht. Wenn dann die darauf folgende Thunderbird-Version 3.1 oder 3.5 jene Mängel ausbügelt, die die neuen Funktionen in der Version 3.0 noch besitzen, wäre das schon ein großer Schritt vorwärts.
Ich würde mir nur noch wünschen, dass die Mozilla-Verantwortlichen nicht so stiefmütterlich auf Thunderbird (und Mailprogramme im Allgemeinen) herabsehen würden. Es besteht ein Bedarf an Alternativen zu MS Outlook – nicht jeder möchte seine Mails online verwalten in zig Webkonten.
Neues 2009-06-24:
Ich habe einige Bildschirmfotos eingefügt.
Neues 2009-09-16:
Ausführliche Beschreibung von Änderungen für Endanwender in englischer Sprache.
Ich muss es einmal loswerden: Diese halbjährlichen Veröffentlichungszyklen von einigen Software-Projekten mag ich ungemein. Ich bin jedesmal von den Verbesserungen und der nicht revolutionären, aber stetigen Weiterentwicklung begeistert, wenn ich OpenOffice.org 3.0 mit dem Vorgänger 2.4 vergleiche – oder OpenOffice.org 3.1 mit 3.0. Auch GNOME und mit ihm Ubuntu bringt mit jeder Version einen Mehrwert, auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer ins Auge sticht. Meinen alten Rechner mit Ubuntu 7.10 und GNOME 2.20 mag ich gar nicht mehr starten, wenn ich ihn mit dem Laptop mit Ubuntu 8.10 und GNOME 2.24 darauf vergleiche.
Unter Ubuntu 7.10 ist noch Firefox 2 der Standardbrowser. Wenn man sich die aktuellen deutschsprachigen Nightlies von Firefox 3.5 herunterlädt, dann ist der Unterschied zum 2er wie Tag und Nacht. Ich kann es kaum fassen, allein von der Seitenladegeschwindigkeit und der besseren Integration der Oberfläche in GNOME sind die Fortschritte erstaunlich! Ein halbjährlicher Veröffentlichungszyklus von Mozilla Firefox würde mir auch gefallen. (Naja, das hätte natürlich auch Nachteile.) Die nächste Version, die derzeit noch mit Firefox.next betitelt wird, soll ja bereits in einem dreiviertel Jahr erscheinen – wie auch Firefox 3.5 ein halbes/dreiviertel Jahr nach Firefox 3.0 erscheinen hätte sollen. Vielleicht schafft Mozilla nach Firefox 3.5 die Verkürzung auf zumindest unter ein Jahr.
Kurzum: Kurze Veröffentlichungszyklen sind toll für die Anwender und hoffentlich auch für Entwickler, die ihre Errungenschaften schnell an die Frau und den Mann bringen können.
