Ich lese sehr gerne die Artikel, die auf der deutschen Tekom-Website veröffentlicht werden. Die Tekom ist der deutsche Fachverband für Technische Kommunikation und Informationsentwicklung, dort wird also alles rund um technische Redaktion, Übersetzungen usw. behandelt. In Österreich gibt es nichts Vergleichbares, darum sind österreichische Personen und Firmen dort auch Mitglied.

Letztens habe ich zwei Artikel gelesen, die auch für Mozilla-Übersetzungen gelten:

Wählen, aktivieren oder klicken?

Der erste Artikel behandelt Stile und Formulierungen, wie man Software-Hilfen möglichst einfach und verständlich schreibt. Falls jemand den Artikel liest: Bei der Firefox-Hilfe (kurz: SUMO) folgen wir dem diversifizierten Stil mit unterschiedlichen Begriffen („wählen, klicken, aktivieren, gehen …“) und vermeiden die Anhäufung von „klicken Sie …, klicken Sie …, klicken Sie …“).

Dagegen gibt es von der englischen Vorlage für die Firefox-Hilfeartikel her keine eindeutige Tendenz zur verkürzten oder ausführlichen Form. Hier wird gern gemischt. Oft wird aber die verlängerte Form verwendet und das Bedienelement beschrieben („klicken Sie auf die Schaltfläche Ausnahmen“ anstelle von „klicken Sie auf Ausnahmen“). In den Mozilla-Produkten gibt es einfach zu viele Elemente (Schaltflächen, Kontrollkästchen, Menü, Tastenkürzel …). Das Weglassen ihrer Namen würde die Anleitungen in weiten Teilen weniger selbsterklärend erscheinen lassen und der Nutzer müsste manchmal erst nach dem richtigen Element suchen, das gemeint ist.

Beim Korrekturlesen bereits selbst aufgefallen ist mir, dass eine falsche Reihenfolge der Satzteile eine Anleitung extrem schwer verständlich macht. Man soll immer in derselben Reihenfolge schreiben, in der der Nutzer die Schritte ausführen muss.

  • Nicht gut: Klicken Sie auf Öffnen im Menü Datei.
  • Gut: Klicken Sie im Menü Datei auf Öffnen.
  • Nicht gut: Klicken Sie auf die Drucken-Schaltfläche.
  • Gut: Klicken Sie auf die Schaltfläche Drucken.

Auch die Beschreibung der Unterschiede von „Löschen/Entfernen“ und „Speichern/Sichern“ sind zutreffend und deren Unterscheidung ist wichtig. Eine durchgängig einheitliche Schreibweise setzt also nicht nur dieselben Begriffe für dieselben Aktionen/Elemente voraus, sondern auch die Definition dieser Begriffe.

Unlogische Sprachlogik

Der andere Artikel beschreibt die Unlogik in Teilen der deutschen Sprache, die einem Muttersprachler nur selten auffällt. An Beispielen wie „Zahnrad“ statt „Zähnerad“, „einhundertdreiundvierzig“ statt „einhundertvierzigunddrei“, einem falschen grammatikalischem Geschlecht wie in „die Feile“ und „das Weib“ verdeutlicht die Autorin ihren Standpunkt.

Ausführlicher werden Verneinungen behandelt. Die Vorsilbe „un-“ kann beispielsweise nicht nur 1) eine verneinende Wirkung haben, sondern auch 2) eine verstärkende (negative) Wirkung oder 3) gar keine verneinende Wirkung. Beispiele dafür sind „ungenau“ (für „nicht genau“), „Untiefe“ (für „sehr tiefe Stelle“) und „Unmut“ (für „Unzufriedenheit“, was wiederum unter Punkt 1) fällt).

Kniffliger wird der Teil mit den mehrfachen Verneinungen. Im Hochdeutschen heben sich solche Verneinungen gegenseitig auf, in vielen Dialekten dienen sie bloß der Verstärkung der verneinenden Aussage. Zuletzt wird noch angesprochen, dass bevorzugt positive Begriffe verwendet werden sollen: „sicher“ statt „gefahrlos“ oder „bekommen“ statt „kriegen“.

Als Übersetzer oder Autor sollte man sich der sprachlichen Vielfalt und Möglichkeiten bewusst sein, um dem Leser von Texten das Lesen so einfach, effizient und verständlich wie möglich zu gestalten. Denn je besser verständlich, desto besser die helfende Wirkung.

Ende Mai habe ich auf meinem Desktop-Rechner den Sprung gemacht von Ubuntu 10.10 (Maverick Meerkat) auf 12.04 (Precise Pangolin).

Der größte Unterschied zu Ubuntu vor 2 Jahren ist sichtlich die Oberfläche mit Unity (siehe das untenstehende Bildschirmfoto von der Live-CD). Es weist zwar grundsätzliche Ähnlichkeiten zu GNOME 3 auf, kommt mir persönlich aber ausgereifter und optisch ansprechender als das neue GNOME vor. Nichtsdestotrotz steckt ein waschechtes GNOME 3 unter der Unity-Oberfläche und die GNOME 3-Oberfläche kann nach Bedarf nachinstalliert werden.

Beispiel für Unity auf der Live-CD von Ubuntu 12.04

Unity-Startmenü

Zuallererst: Ich finde es nützlich, dass die Leiste mit wichtigen Programmen sowie die Anzeige, welche Programme gerade offen sind, jetzt am linken Bildschirmrand angeordnet ist (=Unity-Startmenü). Das spart den Platz ein, der früher unten für die Status- und Fensterleiste gebraucht wurde. Statt früher wichtige Programme in die obere Menüleiste oder auf dem Desktop abzulegen, befinden sie sich nun immer sichtbar links, was bei den heutigen breiten Bildschirmen vom Platzverbrauch her sinnvoll ist.

Die Umstellung auf diese Art der Darstellung war gar nicht schwierig. Nur die Wahl eines Fensters aus den offenen Programmen empfinde ich umständlicher als früher, da nur noch gezeigt wird, welches Programm offen ist, jedoch nicht die diversen Fenster eines Programms. Das benötigt oft 2 Klicks auf das Symbol im Unity-Startmenü oder die Verwendung des Tastenkürzels Alt+Tab.

Übersicht/Dash

Schwierig gestaltet sich die ganze Startmenü-Sache für Leute, die vieles anpassen möchten. Ich hatte mein Hauptmenü immer gut geordnet und mit allen Programmen eingerichtet, die ich installiert hatte. Mit Unity gibt es kein Hauptmenü mehr, sondern nur noch die Dash mit einer alphabetischen Liste von installierten Programmen und sonstigem, das eine Benutzeroberfläche besitzt (wie z.B. Systemeinstellungen). Eine Ordnung ist hier nicht mehr möglich.

Zugute kommt mir, dass man Programme schnell nach einem Tastendruck auf Windows/Super und dem Eintippen des Programmnamens öffnen kann. Aber Leute, die keine Programmnamen kennen und nur nach dem Aussehen von Symbolen gehen, können damit nichts anfangen – sie müssen jedes Mal die Liste der installierten Programme durchstöbern.

Weiters werden die getätigten Anpassungen in der Dash nicht gespeichert und beim nächsten Öffnen wieder zurückgesetzt. So kann man zwar die Anzeige von Programmen aus dem Software-Center oder von Online-Videos abstellen, beim nächsten Aufrufen der Dash ist aber alles wieder wie vorher. Ich habe im dconf-Editor keine Einstellung gefunden, um dieses Verhalten zu ändern oder ein bestimmtes Anzeigeverhalten zu speichern.

Quicklists

Eine gute Idee sind Quicklists: Bei bestimmten Programmen öffnet sich nach einem Klick mit der rechten Maustaste (bei Linkshändern: mit der linken Maustaste) auf ein Symbol im Startmenü ein Menü mit Schnellzugriff auf bestimmte Funktionen. Damit kann man z.B. das Terminal-Symbol damit erweitern, dass man auf Wunsch eine Shell mit Root-Rechten öffnet. Oder beim Thunderbird kann man darüber rasch das Adressbuch öffnen, ohne zuerst Thunderbird in den Vordergrund holen zu müssen.

Der Nachteil dieser Quicklists ist, dass man sie überhaupt nicht vernünftig einrichten kann. Dafür muss man entweder etwas Fertiges kopieren wie von der Seite What Custom Launchers and Unity Quicklists are available? oder den Quelltext der Symbolverknüpfungen verstehen und selbst etwas basteln und in einem der Verzeichnisse für die Symbolverknüpfungen (vom Dateityp „Desktop-Dateien“) ablegen. Eine einfache Benutzeroberfläche zum Einrichten von Quicklists würde viel Zeit sparen und die unnötige Beschäftigung mit dem Quelltext vermeiden. Leider wird die Hauptzielgruppe der „Normalanwender“ solche Änderungen nicht vornehmen, weshalb für Canonical kein Grund besteht, in diesem Bereich Zeit zu investieren.

Panel

Die von GNOME 2 verbliebene Leiste ist das obere Panel. Es dient jetzt bei den meisten Programmen als Menüleiste. Zusätzlich werden dort wie früher die Indikatoren genannten Elemente für die Sitzungsanzeige, Uhr, Lautstärkeregelung, Batterieladestand, Wetter usw. angezeigt sowie die Applets für Dropbox, Skype und andere Programme oder Hilfsmittel wie die Zwischenablageverwaltung ClipIt.

Die Voreinstellung ist, dass im Panel zusätzlich zu den Anzeigeelementen von Canonical nur das Java-Applet sowie Wine und die Update-Verwaltung angezeigt werden dürfen. Will man andere Programme freischalten, muss man sie händisch in die systray-whitelist getaufte Konfigurationseinstellung nachtragen oder einfach alle Einträge durch ‚all‘ ersetzen. Das scheint nicht im Sinn des Erfinders zu sein, aber solange Programme noch Applets benötigen, ist das die beste Lösung – die leider wieder nicht sehr kundenfreundlich daher kommt. Optimal wäre, wenn sich Applets von neu installierten Programmen selbständig dort eintragen würden.

HUD

Das händische Aufrufen von Programmen habe ich bei der Dash schon erwähnt. Eine andere Aufwertung der Tastaturbedienung erfährt Ubuntu 12.04 erstmals mit HUD. Diese Funktion ist noch experimentell und ich nutze sie aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit noch nicht wirklich, z.B. arbeitet es mit Mozilla-Produkten noch nicht reibungslos zusammen.

Der große Vorteil von HUD ist, dass man nicht mehr die Menüs mit der Maus nach bestimmten Befehlen durchstöbern muss, sondern den gesuchten Befehl mit Druck auf Alt und dem Eintippen des Befehlsnamens schnell finden und aktivieren kann. Anstatt in GIMP also nach „Bild skalieren“ zu suchen, tippt man einfach auf Alt und dann „skal“ ein, klickt auf den zutreffenden Befehl und fertig.

Ich bin sehr gespannt, wohin sich HUD in den nächsten Ubuntu-Versionen entwickelt. Es scheint besonders in Hinblick auf die TV-Ambitionen von Ubuntu entwickelt worden zu sein, wo man für TV-Bildschirme keine Maus zur Verfügung hat und trotzdem Menübefehle ausführen können muss.

Unity-Tweak

Etwas Hilfe beim Anpassen von Unity bietet Unity Tweak. Das muss zwar als externe Paketquelle (PPA) eingebunden werden, aber das habe ich in Kauf genommen und ich finde, es zahlt sich aus.

Nautilus-Aktionen

Abschließend möchte ich noch kurz Nautilus Actions Extra erwähnen. Dieses externe Paket bringt mehrere sinnvolle Erweiterungen für das Kontextmenü im Dateimanager Nautilus. Früher habe ich das immer händisch von einer Website heruntergeladen und mit einem Actions-Editor eingepflegt. Aber diese Actions haben noch keinen Ubuntu-Versionssprung überlebt, weshalb ich nun Nautilus Actions Extra probiert habe. Das ist wenig Aufwand und bringt viele nützliche Zusatzfunktionen. Nachteil: Es ist bisher nur auf Englisch verfügbar. In der offiziellen Paketquelle von Ubuntu gibt es noch weitere Nautilus-Actions wie nautilus-open-terminal-here und nautilus-compare.

Fazit

Ich mag Unity prinzipiell und würde nicht mehr zurückkehren zur alten Oberfläche. Es sieht modern aus und ist benutzbar. Aber für jemanden wie mich, der gerne die Kontrolle über sein Betriebssystem hat, ist es schwierig, sich mit manchen Dingen abzufinden, außer man investiert Zeit, um sich in diverse Themen einzuarbeiten. Hmm. Eine Unity-Entsprechung für GNOME 3-Erweiterungen wäre toll, um auf einfache Weise wie bei Mozilla Funktionalitäten nachzurüsten.

Heute Abend waren wir wieder bei einer Aufführung der Kellerbühne Puchheim: „Atemnot – Ein starkes Stück über Leben und Tod“.

Der Vorsitzende eines Tabakkonzerns setzt die Idee seiner Marketingleiterin um: Zwei Extrembergsteigerinnen werden engagiert, einen unbestiegenen Berg im Himalaya zu bezwingen. Am Gipfel sollen die beiden Sportlerinnen Werbung für eine neue Zigarette machen. Die Controllerin des Konzerns ist dagegen, das Unterfangen ist sehr gefährlich. Außerdem birgt der Berg ein Rätsel:

Der Onkel des Vorsitzenden hat die Besteigung bereits vor über 60 Jahren versucht und ist mit seinem Kameraden verschollen. Die beiden Sportlerinnen sollen dieses Rätsel nun lösen.

In dem Stück geht es darum, Erster zu sein oder doch nur Zweiter. Um Sieg und Niederlage, um Leistung und dünne Luft in hohen Etagen, um Atemnot. Jede der acht Figuren im Stück kämpft auf ihre Weise mit ihren Werten und Wertvorstellungen und jedem wird dabei die Luft knapp.

Das Stück von Michael Snelgrove spielt in London im Jahr 1999 und am Himalaya 1931. Das Bühnenbild und die Ausstattung sind sehr minimalistisch gehalten, was aber das Können der Schauspieler noch mehr zur Geltung bringt. Denn die sind es, die mich echt begeistert haben. Allen voran die Rollen der strengen Blaise und des dauerhustenden Sir Byron wurden eindringlich in Szene gesetzt! Aber auch die anderen Rollen wie die des Sherpas Ang und des Bergsteigers Cecil haben überzeugt mit ihrer Darbietung.

Es ist immer wieder schön zu sehen, welche tollen Leistungen bei einem sogenannten Laientheater gezeigt werden. Die 2 Stunden haben sich auf alle Fälle gelohnt und ich kann das Stück nur jedem empfehlen, der irgendwie in die Nähe von Puchheim kommt. Leider wird nur bis Anfang Juli gespielt.

Logo des Theaterstücks: Abbild einer großen blauen Lunge, die gleichzeitig eine eisige Bergwelt darstellen soll, in der 3 schwarze Bergsteiger klettern

Ich liebe die Zwiebelfisch-Kolumne und der Artikel Werbung mit Spliss zeigt schöne Beispiele für die Unfähigkeit vieler Werbeschreiberlinge, deren grausame Werke man tagtäglich lesen oder hören muss.

Dass die Unfähigkeit zum richtigen Umgang mit der deutschen Sprache auch schon in die eher höherwertigen Gefilde der Werbeindustrie vorgedrungen ist, ist ein Zeichen für den schlechten Allgemeinzustand unserer Bildung.

Man kann es selbstverständlich mit natürlicher Evolution der Sprache erklären. Sprache ist ja schließlich etwas Lebendiges. Aber dieser arge Ignoranz jeglicher Regeln in den letzten Jahren ist für mich schon erstaunlich. (Ich sage das aus der Sicht von jemandem, der auf so etwas achtet und der noch relativ jung ist. Jemand, der 5 Jahrzehnte hinter sich hat, wird vielleicht sagen, dass das jetzt gar nichts Außergewöhnliches ist und immer schon so war …)

Neben der Werbeindustrie gibt es noch ein zweites Feld, an dem man verzweifeln kann: der österreichische Rundfunk, kurz ORF, und die meisten anderen Nachrichtenmedien. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat eigentlich einen Bildungsauftrag, den es aber nach Meinung vieler schon lange nicht mehr erfüllt. Sei’s drum. Allein schon danach, wie dort etwas vermittelt wird, muss ich mir manchmal die Haare raufen.

Da wird von „kids“ gesprochen und von „voten“ statt „abstimmen“, von „sale“ statt „(Schluss-/Ab-)Verkauf“ und was weiß ich allem. Hauptsache es klingt cool. Außerdem heißt es da, ohne dass jemand rot wird, „Die Telefone sind nun freigeschalten“ oder „Ihm ist scheinbar schlecht“, aber eigentlich ist „Ihm ist anscheinend schlecht“ gemeint. Und „in 2012“ geschehen viele Dinge anstatt einfach „2012“ oder „im Jahr 2012“. Auch wird die praktische Aneinanderreihung von Wörtern zu einem neuen Wort über Bord geworfen für wilde Bindestrichkonstruktionen oder gar englischer Schreibweise mit Leer Zeichen dazwischen. Ach, diese Feinheiten sind ja nicht wichtig! Oder wenn sich Moderatoren in einem Wiener Studio anhören wie frisch aus Norddeutschland importiert und „frei Schnauze“ reden anstatt „wie ihnen die Goschn gewachsen ist“, dann frage ich mich nach dem Sinn dahinter.

Nicht die Tatsache, dass jeder mit dem Internet öffentlich seinen Senf zu allem schreiben kann – und das in je nach Bildungsgrad unterschiedlicher Qualität oder dass durch SMS und IM die Leute immer kürzer und unpräziser schreiben, fördert diesen Regelverfall, sondern dass von Berufswegen her (vermeintlich) professionell Ausgebildete schon nicht mehr wissen, in welcher Form sie etwas richtig vermitteln sollen. Wer schon in Zeitungen und im Fernsehen alles falsch hört und sieht, den kann man „Oma’s Würstel Stand“ (ein Firmenname) und „no limit’s“ (Name einer Musikgruppe) nicht mehr vorwerfen.

 
 

Um die Nacht zum Feiertag nicht ganz so trist abzuschließen, mache ich noch einen Schwenk zur Schreibarbeit (was hauptsächlich Übersetzungsarbeit meint) bei Projekten freier Software:

Gerade die offene Kultur bei freien Software-Projekten verhilft manchmal zu außerordentlicher Qualität bei Übersetzungen, wie mir manchmal auffällt (selbstverständlich nicht immer und überall). Als Mozilla- und Ubuntu-Nutzer fallen mir spontan Teile dieser Projekte ein. Es ist natürlich nicht alles super, aber manchmal ist der Anreiz einer guten Reputation oder einer guten Verständlichkeit für alle Nutzer/Leser mehr Wert als die Standardbezahlung für Hinterzimmerwerbefritzen oder Bezahlübersetzer, die Arbeiten von der Stange abliefern. Auch wenn diese Leute nicht professionelle Redakteure oder Übersetzer sind.

Ich teste seit einer Weile die Beta-Version von Firefox aus dem Play-Store (vormals Android-Market) und mir gefällt sie sehr gut. Die Startgeschwindigkeit hat sich wesentlich verbessert und Firefox reagiert jetzt viel flotter und ohne Ruckler auf Befehlseingaben wie das Öffnen von Webseiten oder Scrollen.

Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich ein paar Bildschirmfotos zeigen, aber bei Google gibt es eh ein paar Bilder anzuschauen (auf die Bilder unterhalb von „App-Screenshots“ klicken).

Die Synchronisierungsfunktion Firefox-Sync habe ich noch nicht probiert. Bei Beta-Versionen bin ich immer vorsichtig und ich möchte im Zweifel nicht mehr Desktop-Daten zerstören. Aber ich habe noch nichts Negatives davon gehört. Außerdem funktioniert Sync wie in der alten Firefox-Version auch mit eigenen Mozilla-Mitteln und nicht über Android. Das heißt: Google liest nicht mit und alle persönlichen Daten werden lokal verschlüsselt und dann erst auf die Mozilla-Server übertragen.

Das Aussehen der Firefox-Oberfläche hat sich mehr dem von Android 4 angepasst (einziger Ausreißer: beim Getippthalten auf einen Hyperlink erscheint ein Auswahlmenü, dessen Schriftgröße und Form überhaupt nicht zu Android passt) und es sieht wesentlich ausgereifter aus. Die Formen sind geschwungener, was besonders in der Tablet-Version von Firefox gut zur Geltung kommt.

Die Bedienung hat sich auch sehr verändert. War man es bisher gewohnt, während des Surfens nach links und rechts zu wischen, um andere Tabs oder Funktionen aufzurufen wie Lesezeichen oder Einstellungen, so ist nun alles hinter der Menü-Schaltfläche verborgen und rechts von der Adressleiste. Dort steht nun die Zahl mit der Anzahl der geöffneten Tabs. Tippt man darauf, erhält man eine Android-4-typische Auswahlvorschau mit den offenen Tabs. Leider kann man die Tabs nicht mit einem Wisch auf die Seite schließen. In dieser Liste kann man auf andere Tabs wechseln oder einen neuen Tab erstellen.

Der Vorteil zu früher ist, dass die Vorschaubilder nun größer sind und man besser sieht, welcher Tab welche Seite beinhaltet. Das Scrollen nach oben und unten funktioniert auch ohne Ruckler. Nur eine Wiederherstellungsfunktion habe ich noch nicht gefunden. Es wäre schön, wie in der Desktop-Version versehentlich geschlossene Tabs wieder zurückholen zu können – und zwar mehr als nur den letzten Tab (mehr war in der bisherigen „alten“ Firefox-Version für Android nicht möglich).

Negativ ist mir aufgefallen, dass man nun umständlicher als früher zu den anderen Tabs wechselt. Ein Wisch nach rechts geht schneller von der Hand als mit dem Daumen ganz an den oberen Seitenrand zu tippen und dann einen Tab auszuwählen. Das Gute daran ist aber, dass man nun beim Surfen nicht mehr versehentlich die linken oder rechten Firefox-Bedienfelder öffnen kann. Das hat zumindest bei mir öfters den Lesefluss gestört, weil auf einmal die Tabvorschau da war, da der Daumen ein bisschen zu viel nach rechts gerutscht ist beim Hinunterscrollen.

Ein weiterer Negativpunkt für mich ist, dass das Plus zum Öffnen eines neuen Tabs in der Tabvorschau ganz links angeordnet ist und es umständlich ist, dies mit dem Daumen der rechten Hand zu tun. Eine breitere Schaltfläche würde dieses Manko entschärfen.

Zum Positiven gewandelt hat sich auch die Startseite. Sie zeigt nun übersichtlich die vier meistbesuchten Websites, eine Schaltfläche zum Einrichten von Firefox-Sync sowie die geöffneten Tabs der letzten Sitzung (falls Firefox zwischenzeitlich aus dem Speicher gefallen ist und die Tabs nicht mehr automatisch geöffnet sind).

Fazit

Im Vergleich zum bisherigen Firefox für Android ist die Beta-Version ein Quantensprung. Möglicherweise gibt es schon am Dienstag, wenn Firefox 14 veröffentlicht wird, auch gleich die neue Android-Version für alle. Das würde den Nutzern und der Reputation für Mozilla gut tun. Die bisherige Firefox-Version ist zurecht nicht gut weggekommen in den Kommentaren.

Ein paar Kleinigkeiten und Funktiönchen fehlen noch, aber im Großen und Ganzen ist es endlich ein würdiger Browser für Android, der für mich den Standardbrowser und den alten Android-Firefox abgelöst hat.

Weitere Infos über die neue Oberfläche und die Entwicklungsarbeit erhält man überall bei Mozilla und z. B. bei Lucas Rocha.

Ich lese gern die Artikel auf derstandard.at und insbesondere den WebStandard (natürlich). Aber manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass Microsoft besonders oft indirekte „Werbeeinschaltungen“ macht. Es kommen oft sinnfreie Interviews mit oder Artikel über österreichische Microsoft-Manager, in denen die üblichen Marketing-Sprüche wiedergegeben werden. Über einige seltsame Kommentare habe ich schon mal geschrieben. Prominent am Seitenanfang platziert sticht aber die Stichwortwolke hervor:

WebStandard-Bildschirmfoto von der Stichwortwolke am 3. Juni 2012

Da steht nichts von „iPhone“ (gut, da steht „Apple“, aber kennt jeder den iPhone-Hersteller beim Namen?), „Google“ oder „Android“, dem verbreitetsten Smartphone-Betriebssystem überhaupt. Dafür steht da „Microsoft“ und „Windows Phone 7“, das unbedeutendste aller größeren Smartphone-Betriebssysteme. derStandard.at hat laut dieser Stichworte also mehr über WP7 zu berichten als über Android …