Beiträge der Kategorie „OpenDocument“

ODF-Konverter vergleichen

Mittwoch, 21. Februar 2007 um 00:25 von Thomas S

Mir sind bis jetzt drei ODF-Konverter für Microsoft Office Word bekannt.

  1. Microsofts ODF Add-in for Microsoft Word
  2. Sun Microsystems Sun ODF Plug-in for Microsoft Word
  3. The daVinci ODF Plugin for Microsoft Office der OpenDocument Foundation

Was ist von ihnen zu halten? Sind sie schon bereit für den Produktiveinsatz? Können Microsoft Office-Nutzer nun ein freies, von einer Firma unabhängiges Dokumentenformat benutzen?

Microsofts ODF Add-in

Der ODF-Konverter (eigentlich ein XSLT-Transformator) von Microsoft steht in der stabilen Version 1.0 zur Verfügung, bis jetzt aber nur für Word. Versionen für Excel und PowerPoint werden im Lauf des Jahres folgen. Was eigentlich ein Pluspunkt für diesen Konverter sein könnte, enttäuscht auf ganzer Linie: Microsoft ist die einzige Firma, die ihre prorpietären Formate vollständig kennt und deshalb am besten in der Lage sein sollte, einen Konverter zu bauen oder finanzieren, der die größtmögliche Interoperabilität bieten kann. Dem ist aber nicht so. Der Konverter ist nicht besser als der durch Reengineering mühsam erarbeitete von OpenOffice.org. Noch dazu lässt sich mit ihm ODF nicht als Standarddateiformat definieren, und speichern und öffnen kann man ODF-Dateien nur über separate Menüpunkte und nicht über die gewöhnlichen und bekannten Dialoge. Man könnte versucht sein zu denken, diese Schikanen wären absichtlich implementiert, um MS Office-Benutzern den Umstieg auf ODF so scheußlich wie möglich zu gestalten.

  • Status: fertig
  • Version: Word XP/2003/2007
  • Umwandlung: fehlerbehaftet
  • Benutzerfreundlichkeit: schlecht
  • Empfehlung: nicht benutzen

Sun ODF Plug-in

Suns Konverter befindet sich im Beta-Statium und ist derzeit nur für Word verfügbar. Mit ihm wird die ODF-Maschine von OpenOffice.org installiert, die ODF-Dateien öffnet und speichert, quasi ein Teil von OpenOffice.org für Microsoft Office. Der Vorteil dieses Konverters ist die nathtlose Einfügung in die bestehenden Dialoge (Öffnen und Speichern funktioniert wie auch bei .doc-Dateien) sowie die Möglichkeit, ODF als Standardformat in den Optionen einzustellen (siehe Bild unten). Der Nachteil ist (zumindest bei meinem Test mit MSO 2003), dass beim Öffnen und Speichern mit ODF ein Word-Sicherheitswarnmeldung kommt, die man zuvor wegklicken muss. (Wo kann man das eventuell abstellen?)

  • Status: Entwicklung
  • Version: Word 2003
  • Umwandlung: fehlerbehaftet
  • Benutzerfreundlichkeit: gut
  • Empfehlung: abwarten und hoffen

Sun ODF-Plugin: ODF als Standarddateiformat in MS Word einstellen

daVinci ODF Plugin

Der Konverter der OpenDocument Foundation namens daVinci ist noch im Alpha-Statium und frei verfügbar nur in einer Version, die Word-Dokumente in das OpenDocument Foundation-eigene ACME-(RTF-)Format umwandeln kann. Geplant für die endgültige Version ist jedoch die Umwandlung in ODF 1.2, das noch 2007 veröffentlicht und in bekannte Anwendungen wie OpenOffice.org oder KOffice implementiert werden soll. ODF 1.2 deswegen, da diese künftige ODF-Version (und damit deren Anwendungen) mittels neuer Meta-Informationen besser umgehen kann mit “undokumentierten/unbekannten” binären Abschnitten fremder Formate (wie z.B. alter .doc-Dateien), die keine Entsprechung in ODF haben.
Obwohl dieser Konverter eigentlich noch nicht funktionstüchtig ist, erwarte ich mir außerordentlich viel von ihm: eine fast fehlerfreie Umwandlung DOC/OOXML zu/von ODF (oder dem chinesischen UOF) sowie benutzerfreundliche Einbindung in MS Office. (”Perfect file conversion fidelity without disruption, re training, or costly re-engineering …”)
Wie das funktioniert wird auf der Website des Konverters erklärt. Der Trick ist, dass kein fertiges .doc- oder OOXML-Dokument umgewandelt wird, sondern die sogenannte In-Memory-Binary-Representation in Microsoft Office selbst direkt als ODF abgespeichert wird – quasi wie ein natives Dateiformat für MS Office. Sehr spannend!

  • Status: Entwicklung
  • Version: Word 97/2000/2003
  • Umwandlung: weitgehend fehlerfrei
  • Benutzerfreundlichkeit: gut
  • Empfehlung: abwarten, hoffen und freuen

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OpenFormula: Die Antwort auf alte Vorturteile gegen ODF

Freitag, 16. Februar 2007 um 16:53 von Thomas S

Man liest ja des öfteren in (Troll-)Foren größerer und kleinerer Online-Zeitschriften, dass die größte Schwäche von OpenDocument (ODF) das Fehlen einer ins Detail ausgearbeiteten Beschreibung von Formeln wäre, wie sie zum Beispiel in Tabellenkalkulationen (Microsoft Office Excel, OpenOffice.org Calc, …) verwendet werden. Diese Aussagen sind im Grunde falsch.

Richtig ist, dass in der Norm ISO/IEC 26300:2006 für OpenDocument v1.0 (und auch v1.1) auf Formeln nur rudimentär eingegangen wird. Falsch ist aber, dass dies ein “Fehler” der Norm selbst sei und Formelbeschreibungen für ODF komplett fehlen würden.

2004 wurde bereits in der technischen Arbeitsgruppe für OpenDocument über eine genauere Beschreibung von Formeln diskutiert und entschieden, dass es praktikabler sei, dies separat weiter zu verfolgen. Im Februar 2005 wurde der erste Entwurf von OpenFormula veröffentlicht, der von der OpenDocument-Gemeinde unter Führung von David Wheeler und mithilfe von Entwicklern verschiedener Office-Programme entwickelt wurde. Aus diesen Anstrengungen heraus wurde von der OASIS im Februar 2006 offiziell ein Unterausschuss gebildet, der OpenFormula als Untermenge von OpenDocument fertigstellen sollte.
Im Oktober 2006 wurde die Arbeit an den Formelbeschreibungen selbst abgeschlossen, seitdem gibt es nur noch Qualitätstests, Fehlersuche und Vervollständigung der anderen Texte, die für eine Norm notwendig sind.

Es gibt also bereits eine Spezifikation für Formeln in ODF (die in der XML-Sprache MathML geschrieben sind), und sie wird bereits seit gut einem Jahr von den KOffice-Entwicklern Stück für Stück implementiert. Auch bei OpenOffice.org Calc wird an einer OpenFormula-Implementierung gearbeitet. Laut dem OASIS OpenFormula-Unterausschuss werden einige Software-Programme, die mit OpenDocument arbeiten, bei der Fertigstellung von OpenFormular im Lauf des Jahres 2007 den größten Teil der Spezifikation beherrschen können.

Dies mag sich zwar wie ein Trostpflaster anhören, aber gut Ding will eben Weile haben. Und mit OpenFormula gibt es nun bald eine vollständige OpenDocument-Norm, die wirklich offen und frei ist, auf bekannten XML-Standards beruht (SVG, MathML, SMIL, XForms, XLS, …) und bei der es auch technisch wirklich möglich ist, sie vollständig zu implementieren.

Infos:

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daVinci: ODF in Microsoft Office

Mittwoch, 31. Januar 2007 um 00:40 von Thomas S

20.02.2007: Vollständige Überarbeitung des Artikels

Die OpenDocument Foundation (Weblog fr0mat.net) hat hochtrabende Pläne, um das freie Dateiformat OpenDocument (ODF) als Standardformat in Microsofts Office-Paket (MSO) vollständig zu integrieren und so einen reibungslosen Dokumentenaustausch zwischen MSO-Dokumenten (von 1997 bis 2007) und ODF-Dateien zu gewährleisten. Und zwar anders und besser als andere bisherige Konverter.

Es geht um das daVinci ODF Plugin, das sich derzeit noch in der Entwicklung befindet und nur als unvollständige Demo (proof of concept) zur Verfügung steht.

Was soll daVinci leisten?

Vollständige Kompatibilität mit MSO-Formaten (zumindest einen weit höheren Wert als die rund 85%, die OpenOffice.org und andere Konverter schaffen); natürliche Integration in MSO z.B. bei Öffnen- und Speichervorgängen; Möglichkeit, ODF als Standardspeicherformat einzustellen.

Wie soll daVinci das leisten?

Der Trick liegt darin, nicht von außen zu versuchen, bestehende MSO-Format zu entschlüsseln und konvertieren, sondern in MSO selbst ODF als Speicherformat einzubinden. Das geht mit Hilfe der MSO In-Memory-Binary-Representation (IMBR). Damit arbeitet MSO intern und wandelt erst beim Speichern die Dokumente in die bekannten MSO-Formate um. Bei dieser internen Konvertierung klinkt sich das daVinci Plugin ein und leitet die Daten in eine beliebige andere Speicherstruktur um (RTF, ODF, …).

Das aktuelle Demo von daVinci speichert die Daten als XML-kodierte RTF-Dateien mit der Endung ACME. (Dies ist eine Anspielung auf Ecma, der privaten Normungsgesellschaft, die Microsofts Office Open XML im Dezember 2006 als Norm verabschiedet hat.) Diese Dateien können mit dem Plugin in MSO geöffnet und wieder gespeichert werden. Für die endgültige Version wird ODF als Speicherformat verwendet werden.

Ausblick

Leider gibt es keine Angaben, wie weit die Arbeit fortgeschritten ist und wann mit einem funktionierenden Plugin zu rechnen ist. Schafft die OpenDocument Foundation ihre hohen Ziele? Und wenn ja, können sie das Plugin fertigstellen, bevor Microsofts XML-Format den (verbreitungsmäßigen) Sieg über ODF davongetragen hat und das Plugin nicht mehr (so dringend wie heute) benötigt wird?

Und: Wenn sie es schafft, wären Microsofts Aussagen widerlegt, dass eine weitgehend perfekte Konvertierung ihres OOX nach ODF und umgekehrt nicht möglich sei.

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Suche nach Widersprüchlichkeiten bei OOXML

Mittwoch, 31. Januar 2007 um 00:17 von Thomas S

Am 5. Februar 2007 läuft eine Kommentarfrist bei der ISO wegen des eingereichten Dokumentenformats OOXML oder EOOXML (Ecma Office Open XML, vormals Microsoft OOXML) ab, das von der Ecma dort eingereicht wurde.

Bis dahin suchen manche nach Widersprüchlichkeiten in diesem Dokumentenformat, damit es nicht von der ISO veröffentlicht und standardisiert wird. (Vergleiche auch meinen vorherigen Artikel OpenDocument v1.1 - und was bringt die Zukunft?)

Ob etwas Wahres daran ist, sei den Profis überlassen zu entscheiden. Hier nun ein paar interessante Links zum Thema, von dem es im Web derzeit sicher wimmelt.

Und warum will mancher nicht, dass dieses Dokumentenformat von der ISO verabschiedet wird? Tja, es gibt mehrere Gründe. Technischer Natur wären zum Beispiel, dass OOXML auf viele nicht näher spezifizierte oder proprietäre Techniken verweist oder dass es nicht mit einigen anderen ISO-Normen konform ist (wie ISO 8601 [Representation of dates and times] und ISO 639 [Codes for the Representation of Names and Languages]). Eine Übersicht findet man auf der Webseite EOOXML objections (siehe Link oben).

Politische Gründe für eine Ablehnung liegen daran, dass dieses Dokumentenformat von Microsoft stammt und ODF bereits als ISO 26300 vorliegt – wozu also ein weiteres Format?

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OpenDocument v1.1 - und was bringt die Zukunft?

Samstag, 27. Januar 2007 um 03:22 von Thomas S

Das quelloffene XML-Dokumentenformat OpenDocument v1.1 vom 19. Oktober 2006 bringt ein paar Verbesserungen der Zugänglichkeit, Umformulierungen von uneindeutigen Erklärungen und Schreibfehlerkorrekturen. Die genaue Auflistung findet sich in der OASIS-Spezifikation zu OpenDocument v1.1 im Kapitel G.4.

OpenDocument v1.1-Spezifikation ansehen (Übersicht auf OASIS-Website)

Wieso erwähne ich diese unspektakulären Fakten? Aus zweierlei Gründen. Erstens hoffe ich, dass diese Korrektur der OpenDocument-Spezifikation bald die alte Version v1.0 in allen Anwendungen ersetzt (vor allem in OpenOffice.org; in der aktuellen Version des Büropakets war v1.1 noch nicht verfügbar). Zweitens hoffe ich, dass der Abschluss der Fehlerausbesserung für Version 1 endlich den Weg frei macht für die Entwicklung von OpenDocument v2.0 v1.2.

Wieso eine Weiterentwicklung so wichtig ist? Nun, von einigen Seiten kommt immer wieder der Vorwurf, dass OpenDocument unausgereift und noch unvollständig sei. Ob das stimmt oder nicht, kann ich nicht sagen. Dazu habe ich leider noch keine neutralen Dokumente lesen können, die ein Laie wie ich verstehen kann.
Egal ob und wie sehr es wahr ist, ausbaufähig ist OpenDocument auf alle Fälle.

Vergessen wir einmal den ganzen Streit zwischen Microsoft und IBM/Sun, ob Microsoft nun das Rad wieder neu erfindet anstatt Bestehendes zu verwenden oder ob eine ECMA-Ratifizierung nichts ist zum Vergleich einer Veröffentlichung von OpenDocument durch ISO.

Von einem objektiven Standpunkt aus betrachtet sollte die Arbeit an OpenDocument v2.0 v1.2 vor allem dort ansetzen, wo Microsoft behauptet, dass sein eigens kreiertes Format Office Open XML (OOX) weiter sei als OpenDocument (ODF). Das betrifft wohl vor allem die Speicherung von komplizierteren Tabellenkalkulationen (in MS Office Excel mit OOX bzw. OpenOffice.org Calc mit ODF), die Microsoft-Entwickler wie Brian Jones in ODF für unzureichend halten. Auch gibt es eine Reihe von Formatierungen, die OOX kennt, ODF jedoch nicht (siehe einige Details hierzu in der Dokumentation zu Microsofts unfertigem ODF-Konverter). Diese Unterschiede sind historisch begründet.

OOX tritt die Nachfolge von MS Office-Formaten wie .doc, .xls usw. an. ODF ist der Nachfahre des StarOffice-Formats von Sun. Microsoft ist bestrebt, beim Konvertieren zwischen OOX und seinen alten Formaten keinerlei Informationen einzubüßen, was die Spezifikation natürlich sehr verkompliziert und aufbläht. (Unter anderem deshalb umfasst die OOX-Spezifikation rund 4.000 Seiten, während ODF mit wenigen 700 auskommt. Quelle). Nun rächen sich die Unterschiede in den Formaten zwischen den einzelnen MS Office-Versionen der letzten 10 Jahre.

Einschub: Diese einseitige Verbundenheit mit älteren MS Office-Formaten ist es auch, neben der Abhängigkeit von Microsoft, die mir persönlich OOX weniger offen und zukunftssicher erschenien lässt als ODF, das wirklich offen ist und noch dazu frei. Denn ODF wird von der unabhängigen Organisation OASIS gemacht.

Realistischerweise muss man sagen, dass mit großer Wahrscheinlichkeit OOX das Rennen machen und ODF ein Schattendasein führen wird. Die Verbreitung von MS Office ist einfach zu riesig und die Marktmacht von Microsoft so stark, dass OOX locker zum Hauptdateiformat der westlich geprägten Welt sein wird. (China geht seinen eigenen Weg mit Uniform Office Format (UOF).) Der einzige Vorteil für ODF ist seine Unabhängigkeit und Freiheit, was es speziell für die Wissenschaft, Regierungen und die EU interessant macht, weniger für die meisten Privatleute und Firmen (obwohl gerade Firmen darauf achten sollten, dass ihre Dokumente auch in 20 Jahren noch einfach zu lesen sind).

Das führt mich zum Abschluss dieses Artikels: Warum soll IBM/Sun endlich über seinen engstirnigen Anti-Microsoft-Schatten springen und OpenDocument v2.0 v1.2 Microsoft’sche (sinnvolle) Formatierungen interpretieren können? Damit der Austausch mit OOX-Formaten reibungsloser vonstatten gehen kann und wenigstens diejenigen, die ein wirklich offenes Format benutzen wollen, dies auch wirklich können, ohne zu viele Daten zu verlieren oder Zeit zum Konvertieren zu vergeuden. Denn das Ziel jedes Dateiformats sollte das Wohl des Kunden/des Anwenders und die Langlebigkeit seines geistigen Schaffens sein. Da wir wissen, dass dies nicht Microsofts vorrangiges Ziel ist, sollte dies wenigstens ODF verfolgen - auch für MS Office-Geplagte, die ODF nutzen wollen.

Update

Die Zukunft bringt als nächstes OpenDocument v1.2 und ist für Ende 2007 geplant!

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