Prolog

Dieser Artikel baut auf meinen vorherigen zur Installation von Ubuntu x.10 auf:

  1. Acer Aspire 5520G und Ubuntu 7.10
  2. Acer Aspire 5520G und Ubuntu 8.10

Da ich mir vorgenommen habe, bei meinem Laptop zumindest auf jede Herbstversion von Ubuntu zu aktualisieren, tat ich das dieses Wochenende wieder. Diese Vorgehensweise ist ein guter Kompromiss zwischen den halbjährlichen Ubuntu-Veröffentlichungen, die immer die neuesten Programmversionen und Verbesserungen bieten, aber auch halbjährlichen Nervenkitzel verursachen, und den LTS-Versionen, die alle 2 Jahre erscheinen, aber deren Programme bald veraltet sind. Inhaltlich baut dieser Artikel auf den zwei vorhergehenden auf.

Installation

Vorsorglich habe ich zwei Systempartitionen für Linux eingerichtet. Auf die erste installierte ich Ubuntu 9.10 (alias Karmic Koala) und überschrieb damit 7.10. Die Partition mit 8.10 blieb erhalten, um für den Notfall ein lauffähiges System bereit zu haben. Die Home- und Swap-Partitionen blieben die selben. So kann ich immer meine eigenen Desktop-Einstellungen nutzen, egal welches Ubuntu ich gerade starte. Die Installation verlief erwartungsgemäß problemlos. Grub habe ich ebenfalls neu installiert, um die Vorteile des neuen Bootloaders genießen zu können.

Soundkarte

Der Ton machte keine Probleme. Beim ersten Start wurde ich gleich von einem lauten Trommeln begrüßt. Ich habe die Lautstärke danach ein bisschen verringert. ;-)

LAN und WLAN

Kabelgebundenes Internet war bei einem Routersystem naturgemäß gar kein Problem. Für WLAN habe ich einen proprietären Treiber installiert, den Ubuntu selbst vorgeschlagen hat: Ein Klick auf „Aktivieren“ im Hardware-Treiber-Fenster in der Systemverwaltung genügte, und nach einem Neustart stand die Treiberfunktion für WLAN zur Verfügung.

Desktop-Effekte

Für Desktop-Effekte habe ich wieder den proprietären NVIDIA-Treiber installiert, der von Ubuntu selbst vorgeschlagen wurde und nun ohne zu murren seine Arbeit verrichtet.

Natürlich musste ich wieder über die Paketverwaltung das Paket compizconfig-settings-manager nachinstallieren, wobei ich das nur aus „historischen Gründen“ getan habe. Ich musste ja nichts mehr konfigurieren, da meine Einstellungen aus Ubuntu 8.10 tadellos übernommen wurden.

Webcam

Die eingebaute Webcam von Acer lief auch problemlos. Das Aufnahmeprogramm Cheese habe ich wieder über die Paketverwaltung installiert.

Hotkeys und Kartenleser

Die Acer-Hotkeys funktionieren noch immer nicht, auch der Kartenleser nicht mit einer xD-Karte.

Codecs und DVD-Filme

Nach der Installation des Pakets ubuntu-restricted-extras und der restlichen Codecs, die auf der Ubuntuusers-Wikiseite stehen (hauptsächlich libquicktime1, w32codecs, libdvdread4 + Datei /usr/share/doc/libdvdread4/install-css.sh mit Root-Rechten ausführen), funktionierte das DVD-Schauen und Abspielen aller Filme und Musikstücke (sowie Flash im Browser). Der Fehler bei GStreamer in Ubuntu 8.10, durch den viele Videobilder einen Blaustich erhielten, scheint der Vergangenheit anzugehören. (Ich musste den Farbregler in Totem auf die Standardeinstellung zurückstellen, damit wieder der normale Farbton verwendet wurde. Juhu!)

PDF und Drucker

Die PDF-Druckfunktion ist auch diesmal wieder dabei und nochmals verbessert worden im Vergleich zu 8.10. Ein PDF aus allen Programmen heraus zu erzeugen, das noch dazu anklickbare Hyperlinks bietet, ist ohne irgendeine nachträgliche Installation sofort nutzbar.

Mein Netzwerkdrucker von HP wurde auch gleich erkannt: Drucker einschalten, nach neuen Druckern suchen über System > Systemverwaltung > Drucken, richtigen Drucker in der Liste der Netzwerkdrucker auswählen und fertig. Der Testdruck danach verlief reibungslos. Mein Ratschlag: nur HP-Drucker kaufen, denn dessen Linux-Treiber hplib wird aktiv von HP gefördert und ist direkt in Ubuntu enthalten.

2 kleine Schnitzer

Zwei Problemchen haben sich aber mit dem Umstieg aufgetan: das erste betrifft den Mülleimer, das zweite die Anzeige der Partitionen im „Orte“-Menü.

Der Mülleimer am unteren GNOME-Panel funktioniert jetzt wunderbar mit meinen 2 Datenpartitionen, aber nicht mehr mit meiner Home-Partition. Das ist erstaunlich, da es eigentlich genau anders herum sein müsste. Die gelöschten Dateien landen zwar im richtigen Unterverzeichnis auf Home, erscheinen aber nicht im Mülleimer des GNOME-Panels. Ich habe auf Ubuntuusers einen Hilfeaufruf gestartet, falls jemand etwas weiß.

Der andere Schnitzer ist kosmetischer Natur. Im „Orte“-Menü werden alle verfügbaren Partitionen aufgelistet. Bei mir werden meine 2 Datenpartitionen aber doppelt angezeigt. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, warum das so ist.

Tipps: ODF-Vorschaubildchen und Fotos in Nautilus drehen

Wenn man statt der Mimetyp-Symbole von ODF-Dokumenten lieber Thumbnail-Vorschaubildchen der ersten Seite des Dokuments erhalten möchte, wie es unter Windows mit OpenOffice.org Standard ist, muss man nur die Pakete libgsf-bin und imagemagick installieren und Nautilus neu initialisieren (die kurze Information darüber gibt’s im Artikel OpenDocument Thumbnails).

Seit Ubuntu 7.10 nutze ich auch schon die praktischen Möglichkeiten von Nautilus-Skripten, jhead und ImageMagick, indem ich JPEG-Fotos in Nautilus direkt drehen und umbenennen kann. So erspare ich mir F-Spot und all die anderen Fotoverwaltungswerkzeuge. Dazu müssen als erstes die Pakete nautilus-script-manager, jhead und imagemagick über die Paketverwaltung installiert werden. Als zweites muss das Archiv Fotos-bearbeiten.zip von meiner Website heruntergeladen und in das Verzeichnis ~/.gnome2/nautilus-scripts entpackt werden. Danach stehen über das Kontextmenü in Nautilus die Fotowerkzeuge zur Verfügung. Ich verwende immer die Drehen-nach-links- und Drehen-nach-rechts-Funktion sowie das Umbenennen nach dem Exif-Datum der Fotos im Format %Y%m%d-%H%M%S.

Ein herzlicher Dank gilt dem Free Software Magazine, bei dem ich Ende 2007 diesen Tipp entdeckt habe. Mehr über Nautilus-Skripte kann man auf Ubuntuusers.de nachlesen.

Fazit

  1. Installation allgemein: ok
  2. Sound nVidia MCP67: ok
  3. Grafik nVidia GeForce 8600M GS: ok (3D-Effekte nur mit proprietärem Treiber)
  4. LAN-Ethernet net.80203: ok
  5. WLAN 802.11b/g Broadcom BCM94311MCG: ok (mit proprietärem Treiber)
  6. Webcam Acer CrystalEye: ok
  7. Mikrofon: ok
  8. Hotkeys: funktionieren nicht
  9. Kartenleser Ricoh: funktioniert nicht mit xD-Karten
  10. Akku: Ladestandanzeige ok
  11. DVD-Brenner: ok inklusive DVD-RAM
  12. Ruhezustand: funktioniert, aber das „Einschlafen“ und „Aufwachen“ dauert in Summe auch nicht weniger lang als das Herunter- und Hochfahren von Ubuntu selbst

Alles in allem hat sich die Installation und Bedienung des Systems wieder weiter verbessert und ich arbeite gern mit Ubuntu 9.10. Die Entwickler des Linux-Kernels und von GNOME, sowie im Besonderen auch die Ubuntu-Entwickler, die an den 100-Paper-Cuts gearbeitet haben, haben super Arbeit geleistet! Auch optisch macht 9.10 viel mehr her als seine Vorgänger.

Die Installation und Einrichtung hat ca. 4 Stunden Zeit gekostet, was nicht wirklich viel ist. Die ersten 2 Stunden benötigte ich für das Testen mit der Live-CD, die Sicherung der nötigsten Dateien, die Installation selbst und das Einspielen aller Updates. Die zweiten 2 Stunden vergingen dann mit der Nachinstallation der Pakete, die ich auch in 8.10 installiert hatte (nur ganz wenige davon wie TrueCrypt und Dropbox waren nicht über die Paketverwaltung verfügbar – PS: ich liebe die Paketlisten, mit denen ich ruckzuck vergleichen kann, was in 8.10 installiert war und in 9.10 noch fehlt), dem Testen aller Programme und dem letzten Feinschliff inklusive Anpassen der Datei fstab.

Ich glaube, so schnell war ich noch nie. Es scheint sich zu bewahrheiten, was ich vor 2 Jahren gesagt habe:

Wenn sich die Hardware- und Software-Landschaft im Bereich Open Source und Linux in den nächsten fünf Jahren genau so weiterentwickelt wie die letzten fünf, dann sehe ich eine rosige Zukunft für Linux-Umsteiger. – Mein Kommentar zu Ubuntu 7.10

PS: Futschy, du darfst aufschließen. ;-)

Gestern wurde Ubuntu 5 Jahre alt. Die erste öffentliche Ubuntu-Version heiß Ubuntu 4.10 Warty Warthog und erschien am 20. Oktober 2004. Auf omgubuntu.co.uk und ubuntuusers.de gibt es einen kurzen Überblick über alle Versionen bis heute. Außerdem gibt es einen schönen Artikel auf linuxundich.de mit Neuerungen und dem Hinweis auf manches Problemchen.

Mein persönliches Ubuntu-Geburtstagsfest feiere ich erst irgendwann Anfang November. Vor also fast genau 2 Jahren habe ich Windows den Rücken gekehrt und bin seither mit Ubuntu Linux zufrieden. Auf der Arbeit habe ich genug mit Windows- und Viren-Problemen zu kämpfen. Da finde ich es immer sehr entspannend, nach Hause zu kommen und die Ubuntu-Trommeln beim Start zu hören. Ich habe meinen Umstieg nie bereut, auch wenn es anfangs hart ist für jemanden, der bereits mit MS-DOS seine ersten Computer-Erfahrungen gesammelt hat.

Warum ich Ubuntu mag? Weil es Linux so „richtig“ populär gemacht hat, weil es ureigentlich benutzerorientiert und möglichst einfach für Linux-Anfänger ist und weil es von Debian abstammt, einer wirklich freien Linux-Distribution von bester Qualität. Freie Software par excellence.

In etwas mehr als zwei Wochen wird auch Firefox 5 Jahre alt. Firefox ist selbst viel älter und beginnt eigentlich mit der Gründung von Mozilla im Jahr 1998 und ureigentlich schon mit der Veröffentlichung von Netscape 1994. ;-) Am 9. November 2004 erschien Mozilla Firefox 1.0 und hat seitdem das Internet und die Browser-Landschaft revolutioniert.

Mein persönliches Firefox-Geburtstagsfest feiere ich ein kleines bisschen vor Anfang November 2004. Ich habe die Version „Firefox 1.0 PR“ im Oktober 2004. Seitdem verwende ich Firefox als meinen Standardbrowser und habe nie zurückgeblickt auf meine IE- und Opera-Zeit.

Warum ich Firefox mag? Firefox hat den Stillstand im WWW beendet, das Microsoft-Monopol gebrochen, Innovation vorangetrieben und trägt den Geist freier Software und den Community-Gedanken in sich. All das spricht für Firefox, auch wenn manche Unverbesserlichen immer wieder wegen Speicherverbrauch oder sonstigem rumnörgeln, obwohl das auf Firefox 2.0 zutraf, aber sicher nicht mehr auf Firefox 3.x.

Auf die nächsten 5 Jahre mit diesen beiden Stücken freien Wissens und Freiheit an sich! Herzlichen Glückwunsch!

Ich bin heute über 2 Artikel(-serien) gestolpert, die Ubuntu 10.04 und Ubuntu 10.10 thematisieren. Das sind die kommenden 2 Ubuntu-Versionen nach 9.10, welches Ende des Monats veröffentlicht wird. Die Ideen sind gut. Ob es umgesetzt wird, liegt an Canonical.

  1. The Only Feature Ubuntu 10.04 Needs: Make Ubuntu 10.04 a Fix-Only Release
  2. 10 Days of Ubuntu 10.10 Feature Requests

PS: Ich teste gerade die Beta-Version von Ubuntu 9.10 und ich bin positiv überrascht über die kleinen grafischen Verbesserungen gegenüber den vorherigen Versionen. Es ist zwar nicht der große Wurf, der in den zitierten Artikeln beschworen wird, aber es ist mal ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Vor allem die neuen Symbole für die persönlichen Ordner und in den Panels gefallen mir.

Vor ein paar Tagen ist die 6. und letzte Alpha-Version von Ubuntu 9.10 alias „Karmic Koala“ veröffentlicht worden. Damit steht wohl schon so gut wie fest, was 9.10 Neues und Verändertes zu bieten hat. Wer mehr darüber lesen will, kann dies auf Ubuntuusers.de tun oder in den offiziellen Versionshinweisen. Bei Aptgetupdate.de gibt es sogar ein kurzes Video vom neuen Aussehen des (letzten Teils des) Startvorgangs.

Für mich entwickelt sich Ubuntu in eine gute Richtung: Verbesserungen für Endanwender und besonders für Anfänger und Umsteiger sowie neueste Technologien und Programmversionen. Besonders die One Hundred Paper Cuts empfinde ich als Segen, da sie Probleme angehen, für die Entwickler von Distributionen und Programmen normalerweise kein offenes Ohr haben. Nur auf das, wie sich dieses Software Store entwickelt, bin ich noch gespannt.

(Der Titel ist nur als Scherz gedacht und eine Anspielung auf meinen vorherigen Artikel. Ich unterstütze lieber die Verbreitung freier Software als dass ich mit anderen Linuxern wie im Heise- oder Golem-Forum streiten würde. Der Artikel gibt nur meine persönlichen Eindrücke wieder.)

Ich habe vor kurzem Kubuntu, openSUSE und Fedora (mit GNOME) in einer virtuellen Maschine installiert und musste feststellen: Auch wenn andere Distributionen aktuellere Pakete und Neuerungen bieten als Ubuntu und auch wenn andere Distributionen mehr Entwickler beschäftigt haben, so bietet Ubuntu – für mich – doch die durchgängig hübscheste und praktischste Oberfläche.

Ich will nicht sudern und habe es auch zu wenig lang getestet, aber allein die Installation fand ich bei Ubuntu bisher am besten und schönsten gelöst. Dabei überraschte mich das. Ich dachte vorher, Fedora hätte die beste Installation. Bietet Fedora doch die besten grafischen Kunststücke, die es bei Linux zu bekommen gibt. Aber da lag ich falsch. Ein weiterer Minuspunkt war bei anderen Distributionen das Mehr an Dialogfenstern; das kommt mir bei Ubuntu weniger vor.

Und PackageKit! Die Oberfläche dieses Programms ist ein Polo im Vergleich zum Porsche Synaptic. Ich hoffe nicht, dass Ubuntu das so ein zu eins übernimmt wie Fedora das getan hat. Im Test fand ich mit PackageKit überhaupt nichts. Die Suche war zu dürftig und die angezeigten Informationen ebenso.

Von alledem abgesehen werde ich mit KDE nicht warm – weder vom Aussehen der Fenster noch von der Struktur der Oberfläche. KDE mag mehr Einstellungsmöglichkeiten bieten, aber es bietet auch diesen Windows XP-artige Dschungel an Dialogen. Ich bin froh, dass ich den Dialog-Dschungel durch meinen Umstieg auf Linux losgeworden bin. KDE wäre für mich dahingehend wieder ein Schritt zurück zu mehr Kompliziertheit. Ich wüsste jetzt auch gar nicht, welche Einstellungen ich in GNOME vermissen sollte?!

Meine Hoffnung ist, dass sich die KDE- und GNOME-Entwickler in Zukunft mehr zusammentun und mehr Bibliotheken und grundlegende Programme teilen. So erspart man sich Doppelgleisigkeiten, Arbeit und Konkurrenzkampf in Gebieten, wo Zusammenarbeit wegen mangelnder Ressourcen sinnvoller wäre. Außerdem legen die KDE-Entwickler ein mächtiges Entwicklungstempo vor – da darf GNOME nicht eines Tages zu viel zurück gefallen sein. ;-)

In letzter Zeit gab es wieder Debatten in der Linux-Welt, ob Canonical, die Firma hinter Ubuntu, endlich etwas zur direkten Weiterentwicklung des Linux-Kernels beitragen und eigene Entwickler am Kernel arbeiten lassen soll.

Meine Meinung ist, Canonical muss nicht an der Kernel-Entwicklung mitarbeiten. Die GPL sieht so einen Zwang nicht vor. Rechtlich gesehen macht Canonical nichts falsch.

Aber was macht Canonical falsch? Nun, ich denke, ganz banal ausgedrückt, dass Erfolg einfach Neider auf den Plan ruft und einige „alte Hasen“ von RedHat und SUSE nicht verkraften können, dass Canonical mit Ubuntu eine Marktlücke entdeckt hat, mit der es Erfolg hat. Und zwar Erfolg in dem Sinn, dass es unzählige neue Menschen in die Linux-Welt hineingebracht hat – inklusive mir -, dass nun sogar Firmen wie Dell beginnen, auch Linux-Rechner auszuliefern, und dass Linux, speziell natürlich Ubuntu – aber das ist g’hupft wie g’hascht -, endlich mehr in den Medien vertreten ist und mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Was helfen tolle neue Kernel-Funktionen, wenn sie niemand nutzt? Außerdem müssten dann auch andere, die von Linux und Debian profitieren, auch etwas zum Kernel beitragen? Wie wäre es z.B. mit LiMux? Ein abwegiger Gedanke, hoffe ich.

Als erstes sollte Canonical Ubuntu besser machen und diejenigen freien Programme, die es nutzen darf, einsetzen. Dann soll es besser mit Debian zusammenarbeiten. Ich sehe die Zustimmung von Debian zum Wechsel auf fixe Freeze-Termine als einen guten Schritt. Jetzt muss Canonical dafür Debian etwas unterstützen und hoffentlich verbessert sich auch eines Tages die Kompatibilität zwischen den Systemen und die Zusammenarbeit der Entwickler bei Progammänderungen. Vielleicht wird Ubuntu ja eines Tages nicht nur als Schmarotzer, sondern als Mitstreiter für das Linux-Lager gesehen. Tja, uns als drittes muss Canonical eines Tages Gewinn abwerfen, sonst ist die ganze Aufregung um diese Firma eines Tages obsolet, wenn es sie nicht mehr gibt.

Hardware

Am Wochenende passierte neben vielen anderen Dingen auch etwas, das ich bereits seit anderthalb Jahren herbeisehnte: Mein PC wurde aufgerüstet. Die Entdeckung der Langsamkeit ist nicht nur ein Buch von Stan Nadolny, sondern auch meine eigene Erfahrung mit meinem Rechner. Aufgrund dieser Langsamkeit war der Spaß am Arbeiten mit dem Rechner mehr als eingeschränkt. Oft nutzte ich bewusst den neueren 15″-Laptop, um etwas flüssiger werkeln zu können. Jedenfalls hat Freund Futschy mir preislich und technisch passende Teile zusammengesucht, die wir dann im EDV-Fachhandel (nein, nicht bei Niedermeyer, Cosmos oder MediaMarkt!) gekauft haben. So wurde …

  • aus dem Prozessor AMD Athlon XP 2200 ein neuer Intel Core 2 Duo E7400 2×2,8GHz,
  • aus dem Motherboard MSI KT2 Combo ein neues Gigabyte GA-EP45-UD3R,
  • aus dem zusammengestückelten 1 GB RAM ganze 8 GB Corsair XMS2 DDR2 (1066),
  • aus der Grafikkarte Nvidia GeForce4 MX 440 SE eine rasende Nvidia GeForce GTX 260 (216SP),
  • aus der Festplatte von WesternDigital mit 360 GB eine Seagate Barracuda 7200.12 SATA2 mit 1 TB.

Nur Gehäusehülle, Netzteil, Diskettenlaufwerk und DVD-RAM-Laufwerk blieben erhalten.

Das Zusammenbauen mit dürftigen englischsprachigen Beschreibungen ging eigentlich ganz flott, von ein paar Denkpausen und Schnittwunden abgesehen. Futschy hat Erfahrung.

Software

Danach folgte das Aufspielen von Ubuntu 9.04 in der 32-bit- und in der 64-bit-Variante. Der Unterschied liegt darin, dass beim einen nur 3,2 GB RAM als nutzbar angezeigt werden, beim anderen jedoch 7,7 GB RAM!

Die Installation von Ubuntu ging wie immer reibungslos. Dabei stellt sich mir auch immer die Frage, wieso die letzten 20% des Installationsvorgangs von Ubuntu genau so lang brauchen wie die vorherigen 80% – eigentlich wird da nur noch deinstalliert, entfernt und gelöscht (unter anderem fremde Sprachpakete). – Mit Ext4 partitioniert hatte ich bereits mit der Live-CD. Ich mache das lieber in Ruhe vorher mit GParted als dann gestresst mit dem gefühlsmäßig weniger intuitiven Installationswerkzeug. Alles in allem geht die Installation ganz fix.

Reibungslos verlief auch die Hardware- und Peripherie-Erkennung. Musste ich bei früheren Ubuntu-Versionen diverse Dinge händisch nachinstallieren (weniger bei PC als bei Laptops), ging diesmal wirklich alles out-of-the-box. Sogar für meinen neuen HP Color LaserJet CP1514n waren die entsprechenden hplib-Bibliotheken schon vorhanden. Ich musste bloss den Drucker einschalten, die Druckererkennung laufen lassen und schon hatte ich die Testdruckseite in der Hand. Für Linux würde ich nur noch HP empfehlen.

Die proprietären Nividia-Treiber ließen sich auch problemlos installieren und die 3D-Effekte von Compiz standen nach einem Neustart zu meine Verfügung.

Auch die Startgeschwindigkeit beeindruckte uns. Die Zeit vom Einschalten des Rechners bis zum Erreichen des Bootmenüs von GRUB dauert gefühlt länger als vom Bootmenü bis zum funktionstüchtigen Ubuntu-Desktop. So um die 20 Sekunden braucht der reine Ubuntu-Start nach der Neuinstallation. Da bin ich mal gespannt auf Ubuntu 9.10, das nochmal schneller hochfahren soll. (Dagegen warte ich bei Windows auf der Arbeit in Summe mehrere Minuten, bis ich effektiv arbeiten kann.) So machen auch Reboots mehr Spaß! :-)

Grrrr: menu.lst und fstab

Die einzigen Arbeiten, die ich noch händisch durchführen musste, betrafen die Dateien menu.lst und fstab. Erstere ist für das Bootmenü GRUB zuständig – von welcher Partition soll GRUB aufgerufen werden, in welcher Reihenfolge sollen die Betriebssysteme aufgelistet werden usw. Zweiteres verwaltet den Zugriff auf und das Mounten der Festplatten und Partitionen (die 2 bereits vorformatierten und benannten Daten-Partitionen waren nämlich noch nicht automatisch ins System eingebunden – nachträgliches Mounten ist mit einem Doppelklick in Nautilus natürlich immer möglich).

Für mich war das weniger ein Problem. Gäbe es aber für diese 2 Mängel noch grafische Programme für Endanwender, würde ich ohne große Sorgen jedem Linux-Neuling eine Ubuntu-CD in die Hand drücken und sagen: Viel Erfolg, ruf mich an bei einem Problem. So aber muss man sich erstmal in die Syntax der beiden Dateien einlesen, UUIDs und Mount-Optionen herausfinden und studieren – und man darf ja nix falsch machen, sonst is das System unbenutzbar. Das kann man keinem Neuling zumuten, der sich nicht explizit mit solchen Details beschäftigen will.

Fazit

Außer dass ich nun endlich meinen riesigen Datensaustall aufräumen und umstrukturieren muss (es ist an der Zeit!), war das Aufrüsten meines Rechners ein unglaublicher Erfolg und Gewinn für mich. Als Bonus habe ich noch die alten Windows-Reste beseitigt (die alten NTFS-Partitionen mussten für Ext4 weichen usw.).

Ich fühle mich schnell und frei.
Danke, Futschy!

Und Futschy ist neidisch geworden und wird sich wohl in nächster Zeit auch zumindest mehr RAM und eine nette Grafikkarte besorgen. Fehlt nur noch Ubuntu auf seinem Hauptrechner. ;-)

Nachdem ich erst kürzlich das Schullinux nach Kremser Art gefunden habe, offenbart sich mir ein weiteres Linuxprojekt für österreichische Schulen: desktop4education.

Als Teil des EU-Aktionsplans i2010 wolle man den Einsatz von Open Source Software an österreichischen Schulen fördern, schreibt das Ministerium den Direktoren in einem Begleitschreiben. Der Plan sieht vor, ab 2010 das Geld für die Lizenzen von Office-Software an Schulen zu streichen, ab 2012 will man auch keine Kosten für Betriebssysteme mehr tragen. Deshalb planen inzwischen immer mehr Schulen den Wechsel zu Open Office und Linux.

Wenn das wirklich stimmt, wäre das eine gute Sache – weg vom Konzern- hin zu offenerem Denken. Nur allein der Glaube daran fehlt mir. Und sei es, dass Microsoft die Lizenzen dann eben herschenkt.

Auf die weitere Entwicklung bin ich jedenfalls gespannt.

Ich muss es einmal loswerden: Diese halbjährlichen Veröffentlichungszyklen von einigen Software-Projekten mag ich ungemein. Ich bin jedesmal von den Verbesserungen und der nicht revolutionären, aber stetigen Weiterentwicklung begeistert, wenn ich OpenOffice.org 3.0 mit dem Vorgänger 2.4 vergleiche – oder OpenOffice.org 3.1 mit 3.0. Auch GNOME und mit ihm Ubuntu bringt mit jeder Version einen Mehrwert, auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer ins Auge sticht. Meinen alten Rechner mit Ubuntu 7.10 und GNOME 2.20 mag ich gar nicht mehr starten, wenn ich ihn mit dem Laptop mit Ubuntu 8.10 und GNOME 2.24 darauf vergleiche.

Unter Ubuntu 7.10 ist noch Firefox 2 der Standardbrowser. Wenn man sich die aktuellen deutschsprachigen Nightlies von Firefox 3.5 herunterlädt, dann ist der Unterschied zum 2er wie Tag und Nacht. Ich kann es kaum fassen, allein von der Seitenladegeschwindigkeit und der besseren Integration der Oberfläche in GNOME sind die Fortschritte erstaunlich! Ein halbjährlicher Veröffentlichungszyklus von Mozilla Firefox würde mir auch gefallen. (Naja, das hätte natürlich auch Nachteile.) Die nächste Version, die derzeit noch mit Firefox.next betitelt wird, soll ja bereits in einem dreiviertel Jahr erscheinen – wie auch Firefox 3.5 ein halbes/dreiviertel Jahr nach Firefox 3.0 erscheinen hätte sollen. Vielleicht schafft Mozilla nach Firefox 3.5 die Verkürzung auf zumindest unter ein Jahr.

Kurzum: Kurze Veröffentlichungszyklen sind toll für die Anwender und hoffentlich auch für Entwickler, die ihre Errungenschaften schnell an die Frau und den Mann bringen können.

Über derStandard.at bin ich auf den Artikel Linux am USB-Stick für Österreichs Schüler gestoßen.

Ich finde das eine hervorragende Investition in die Zukunft für die Schule und die Region Krems. Diese Lehrer haben erkannt, dass den Schülern ein Verständnis für Rechner, Textverarbeitung und Browser nicht allein mit Windows, Microsoft Office und dem Internet Explorer vermittelt werden kann und muss.

Mit diesem Linux auf dem USB-Stick (ob damit auf einem Rechner nun fix installiert oder nicht) erspart sich die Schule den Update- und Lizenzwahn großer Softwarekonzerne und damit viel Geld – und Eltern und Schüler ersparen es sich, teure Rechner und neueste Software zu kaufen (oder mit illegalen Raubkopien zu hantieren, damit man Microsoft Office 2003 wie in der Schule zuhause installieren kann anstatt das alte Microsoft Office XP nutzen zu müssen, in dem einige Menüs und Assistenten anders aussehen als beim Nachfolger und die Schüler sich deshalb gar nimmer zurechtfinden bei den Übungen von von EDV-Lehrerin Margarete Schimmelmeyer … – um ein Beispiel aus dem Alltag zu nennen).

Schön an dieser Distribution ist, dass sie auf Debian aufbaut, das absolut frei ist, und so am besten kompatibel zu beliebten Distributionen für Privatanwender wie Ubuntu ist. Einen negativen Beigeschmack hat, dass damit „schon wieder eine neue Distribution“ aus dem Boden gestampft wurde. Das war aber wohl einfacher, als auf bestehende Distributionen wie Skole Linux oder Edubuntu (Infos auf Deutsch) aufzubauen, die nicht so flexibel in der Anwendung ausgelegt wurden wie das Linux-Betriebssystem aus Krems. Zumindest ist es gut, dass die Verantwortlichen mit anderen Schulen, die ebenfalls Linux mit den selben Anforderungen haben oder möchten, in Kontakt treten. Es sollte nicht jeder das Rad neu erfinden müssen.

Was mir noch aufgefallen ist der – relativ gesehen – veraltete Softwarebestand – z.B. OpenOffice.org 2.4, wo es bereits die um ein Jahr jüngere Version 3.1 gibt, die um Welten besser ist als die 2er-Reihe. Für die Admins ist es aber sicher einfacher, auf einem Stable-Zweig von Debian aufzusetzen als auf den Unstable-Zweig (von dem z.B. jede halbjährliche Ubuntu-Version abstammt), das aktuellere Software bietet. Dazu fehlt es an den nötigen Ressourcen.

Ich wünsche den Verantwortlichen weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Arbeit und hoffe, dass die Schulleitung auch in Zukunft hinter dem Projekt steht und nicht irgendwann einknickt und doch wieder auf MS-Lizenzkauf umschwenkt. Es ist schön zu lesen, dass es engagierte EDV-Lehrer gibt, die ihren Schülern etwas beibringen und die Schule entlasten wollen. Fade Lehrer, die monotonen Lehrstoff wie aus den 90ern herunterbeten und stupiden „Marktführer“-Softwaregebrauch predigen und damit hintenrum illegales Raubkopieren fördern, gibt es eh schon genug.

Verweise:

Australier haben ein nettes Experiment gemacht: Sie zeigten in einer Fußgängerzone Leuten einen Laptop und stellten das darauf laufende Betriebssystem als Windows 7 dar. Die Leute waren beeindruckt – und schockiert, als sie erfuhren, dass sie gerade KDE 4 gesehen hatten.

Sowas in der Art müsste mal einer bei uns auch machen, damit man den Leuten die ersten Ängste und Vorurteile gegenüber Nicht-Windowsen nimmt.

Hier gehts zum Video: Is it Windows 7 or KDE 4?

Danke an planet.ubuntuusers.de und ubuntu-center.de für diesen Tipp!

Heute wurde GNOME 2.26 freigegeben, das keine revolutionären, jedoch viele Detailverbesserungen beinhaltet. Ich vermute, dass ich nicht widerstehen kann, am Laptop doch von Ubuntu 8.10 auf Ubuntu 9.04 umzusteigen, obwohl ich bisher nur alle .10-Veröffentlichungen nutzen wollte.

Die absolut beste Beschreibung der neuen Funktionen inklusive Bildern liefert derStandard.at ab. Da stehen auch Sachen, die andernorts nicht erwähnt werden. Großes Lob an die Redaktion.

Mit seinen bebilderten Artikeln hat derStandard.at die Nase wie Golem.de bei seinen Video-Interviews, die ab und zu in Artikel eingebaut werden.

Die offizielle Liste der wichtigsten Neuerungen gibt es wie immer bei gnome.org.

PS: Internet Explorer 8 ist anscheinend seit heute von Microsoft freigegeben. Damit ich das auch erwähnt habe.

Die FOSDEM ist schon anderthalb Wochen her und erst jetzt komme ich dazu, meine Eindrücke zu schildern. Kurz gesagt: Die erste FOSDEM war für mich überwältigend! Die FOSDEM bot mir die Möglichkeit, viele auf irgend eine Weise bekannte und interessante Menschen zu treffen und vielen interessanten Vorträge zu lauschen.

Aber alles der Reihe nach.

Eigentlich begann die FOSDEM mit einer unendlich langen Anreise. Ich sage nur: folgendes Bild sagt mehr als tausend Worte.

Wartebank am Frankfurter Flughafen
Schlafgelegenheit am Terminal A des Frankfurter Flughafens

Leider habe ich dadurch das jährliche Beer-Event am Freitag Abend vor der FOSDEM verpasst. Aber ich kam schließlich in Brüssel an und verpasste nur den Anfang der Keynotes. Kaum angekommen auf dem Gelände der ULB, bahnte ich mir den Weg ins große Auditorium und fand einen Raum voller an Open-Source interessierter Menschen vor: jung und alt, mit und ohne Laptop.

Bühne des großen Auditoriums
Vortrag von Mark Surman zur Zukunft von Open-Source
Viele Zuschauer im großen Auditorium
Volle Bänke überall

Die folgenden 2 Tage sah und traf ich so viele Leute, die mir bisher nur über ferne Blogs oder andere Internetwege bekannt waren, zum Beispiel David Tenser, Gervase Markham, den unaussprechlichen Zbignew Braniecki (Gandalf), Mike Connor, David Ascher, Martin Creutziger, Simon Paquet (vom Kalender-/Lightning-Team), Bdale Garbee (von Debian), Tristan Nitot, Robert Kaiser, Theodore Ts’o, Marc Laporte (vom TikiWiki-Team), Marco Zehe (vom Mozilla Accessibility-Team) … Und natürlich andere, die ich vorher schon kennen gelernt hatte: Kadir, Barbara, William …

Diejenigen, die bei Mozilla die meisten Lacher während ihrer Vorträge produziert haben, waren mit Abstand der Brite Gervase Markham von der Mozilla Foundation (die Stiftung) und der Kanadier David Ascher von Mozilla Messaging (Thunderbird). Das sind wirklich besondere Typen und machten ihre Vorträge zu einem Genuss.

David Ascher
David Ascher während seines Vortrags über Thunderbird 3

Allgemein war ich überwältigt von der großen Masse an Kreativität und Offenheit, auf der man bei der FOSDEM trifft. Hier treffen sich keine verstaubten Stubenhocker, sondern kreative Köpfe, die die Welt ein Stückchen verbessern wollen.

Ein anderes beeindruckendes Ereignis war für mich die Versammlung für das Web of Trust vor dem Hauptgebäude der FOSDEM:

Web of Trust
Leute treffen sich, um die Echtheit ihrer digitalen Schlüsseln bestätigen zu lassen

Natürlich war ich auch am Stand von OpenOffice.org. Leider war keiner von Sun Microsystems auf der FOSDEM, mit dem ich Kontakt halte.

Stand von OpenOffice.org auf der FOSDEM
OpenOffice.org hatte seinen Platz gleich neben Mozilla und war gutbesucht

Dass es sich bei der FOSDEM um ein Entwicklertreffen handelte, wurde einem sogar auf dem Klo vergegenwärtigt:

WC-Plakat für Entwickler

Weitere Bilder und Blog-Beiträge zur FOSDEM 2009 findet man für Mozilla auf der Fosdem:2009:Aftermath-Seite.

Irina Sandu schreibt im European Mozilla Community Blog Einzelheiten über einzelne Vorträge von Mozilla-Vertretern.

Besonders empfehlen kann ich das von der Community erstellte Werbevideo für Firefox sowie die Präsentation von David Ascher zu Thunderbird 3.

Zum Schluss noch ein Aufruf, der beim Mozilla-Stand hing:

Plaket: Übersetzer gesucht
Die Mozilla-Community sucht immer Übersetzer für jede Sprache

Ich habe Ubuntu 7.10 bei einem – ich nenne ihn den Mitte-50-jährigen, männlichen K. – installiert, der zwar Microsoft-versessen ist, trotzdem aber bereit ist, Neues auszuprobieren, um seine persönlichen Daten am Rechner besser zu schützen und der Anti-Virenscanner- und Firewall-Hölle von Windows zu entkommen. Ich habe bei seinem alten Rechner zeitgerecht Upgrades auf Ubuntu 8.04 und 8.10 eingespielt, den Drucker installiert und vieles mehr. Die Erfahrungen damit waren in Summe aber – vorsichtig ausgedrückt – zwiespältig, und so manches Ereignis wird dem noch schlechten Ruf von Open-Source bei „Laien“ gerecht.

Die folgende Auflistung ist sicher unvollständig, aber sie gibt ein Bild davon, was sich alles verbessern sollte, bis auch Otto-Normalverbraucher ohne größere Schwierigkeiten von Windows auf Ubuntu oder Linux im Allgemeinen umsteigen kann.

Probleme mit alter Hardware
Bei Ubuntu 7.10 gab es noch keine Probleme mit der alten Hardware des Rechners (PC), jedoch nach dem Upgrade auf 8.04 und später auf 8.10 fuhr Ubuntu mit den neuen Kerneln nicht mehr hoch. Ein Laie wäre vollkommen aufgeschmissen gewesen. Durch intensive Recherche im Internet fand ich die richtigen Parameter, die in die GRUB-Datei menu.lst geschrieben werden mussten (quiet löschen und generic.irgendwas hinzufügen) und das Problem behoben. Es stimmt also nicht, dass Linux bei alten Rechnern besonders gut zum Einsatz kommen kann, wenn Windows angeblich schon nicht mehr (gut) funktioniert. (Die gleiche Erfahrung habe ich auch auf einem anderen alten Rechner gemacht, der aus dem Ende der 1990er Jahre stammt, auf dem ich Ubuntu Server 8.04 installierte. Ich musste erste 7.10 installieren, um dann per apt-get auf 8.04 migrieren zu können.)
Womit kann man ohne grafische Oberfläche etwas ändern?
Bei dieser Reparaturarbeit war K. negativ überrascht von der vielen Arbeit als Root (Administrator) mit der Konsole und mit Texteditoren (Gedit unter GNOME und Nano an der Konsole), ohne die die Änderungen in der menu.lst nicht möglich gewesen wären (außer man hat bestimmte Nautilus-Actions installiert, aber die muss man ja auch erst mal finden und installieren). Ubuntu fehlt die Möglichkeit, Einstellungen in GRUB über die grafische Oberfläche zu ändern. Und zwar per Voreinstellung, ohne dass man erst über die Paketverwaltung danach suchen muss. Dazu gehört das Hinzufügen, Löschen und Neuordnen der Kernel- und Betriebssystem-Einträge, das Verändern der Boot-Parameter und das Ändern des Aussehens des Boot-Menüs.
Probleme mit dem Hinzufügen neuer Partitionen
Weiters fehlt ein Programm mit einer grafischen Oberfläche zum Anpassen der Datei fstab. Wie soll jemand händisch ohne intensives Hineinlesen in die Materie eine NTFS-Partition einbinden oder eine zusätzliche ext3-Partition? Zum Glück gibt es seit Ubuntu 8.10 das Programm Disk Manager in den Paketquellen. Trotzdem wird es nicht offiziell von Canonical unterstützt und muss nachträglich installiert werden. Außerdem stellt sich die Frage, wie lang das Programm noch funktionieren wird, da der Autor die Arbeit daran eingestellt hat!
Wie partitioniere ich meine Festplatten?
Neben dem Einbinden neuer Partitionen/Festplatten fehlt auch ein Partitionierungswerkzeug in der Standardkonfiguration von Ubuntu. GParted kann zwar nachinstalliert werden, neue Nutzer müssen es aber erst finden.
Probleme mit fehlenden Sprachdateien
Nachdem die Installation von Ubuntu 7.10 abgeschlossen war, fehlten ein paar Sprachdateien und einige Teile des Systems erschienen noch in englischer Sprache. Für jemanden mit schlechten Englischkenntnissen ist das fatal. Dass es in der Systemverwaltung einen Punkt Spracheinstellungen gibt, wo man das nachträglich beheben kann, ist sicher nicht allseits bekannt. Unter Windows ist das System ja immer deutsch (ja, da gibt’s nur Deutsch bei der Installations-CD, aber das ist für den Endnutzer ja irrelevant). Wieso ist es unter Ubuntu (teilweise) englisch, fragt sich der Ubuntu-Neuling ohne perfekte Englischkenntnisse? Auch nach dem Upgrade auf 8.04 gab es ein paar fehlende Sprachdateien, die händisch nachinstalliert werden mussten. Von diesen Installationsschwierigkeiten abgesehen ist die Übersetzung von Ubuntu sowieso noch sehr unvollständig, besonders bei den Hilfedateien und weniger verbreiteten Programmen. Auf Ubuntuusers.de gab es vor einer Weile diesbezüglich einen Aufruf zu mehr freiwilliger Mitarbeit.
Probleme mit der Einstellung der Schriftgröße
Da man mit Mitte 50 nicht mehr so gute Augen hat, musste die Schriftgröße des Systems angepasst werden. Für GNOME ist das kein Problem: rechte Maustaste auf den Desktop und Schriftgrößen ändern. Kniffliger wird es, wenn man KDE/Qt-Programme innerhalb von GNOME/GTK+ nutzt. Die übernehmen nicht die GNOME/GTK+-Einstellung, sondern benötigen ein eigenes Programm. Bis man das in den Paketquellen und dann noch im Menü unter Sonstiges gefunden hat, dauert es eine Weile. Sehr nervenaufreibend. Mit Qt4 hat sich anscheinend gebessert, dass die Qt-Font-Einstellungen in der Systemverwaltung zu finden sind. Besser wäre aber, jedes Programm übernimmt die Schrifteinstellungen seiner Desktop-Umgebung. Damit erspart man sich negative Erfahrungen mit dem freien Betriebssystem und hebt die Benutzerfreundlichkeit.

Zu guter letzt ist das zweite Problem WINE: Man kann dort zwar auch die Schriftgröße ändern, aber wird die Schrift zu groß, wird immer mehr von den Buchstaben von unten abgeschnitten und irgendwann kann man gar nichts mehr lesen. Argh! Auch WINE-Anwendungen sollten die Schriftgröße des Systems automatisch übernehmen.

Update: Zu noch Mal guter letzt fand ich noch ein weiteres Problemfeld mit Schriftgröße: Java-Programme. Auch diese passen sich nicht den Desktop-Einstellungen an und erscheinen bei K. viel zu klein.
Probleme mit dem Drucker
Bis vor kurzem hing ein Tintenstrahldrucker am Rechner, der von Ubuntu automatisch erkannt und dessen Treiber richtig eingestellt wurde. Das Drucken war kein Problem. Der neu gekaufte Samsung-Farblaserdrucker wurde zwar auch vom System automatisch erkannt und ein Treiber installiert, aber bislang druckte der Drucker nur Testseiten und sonst nichts anderes. Glücklicherweise gab es auf der mit dem Drucker mitgelieferten CD-ROM von Samsung Linux-Treiber! Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Gut. Aber! Die Installation war vollständig auf englisch beschrieben und lief auch vollständig in englischer Sprache ab. Außerdem war die Installation nur über die Konsole ohne grafische Oberfläche möglich und man musste vorher nachsehen, ob bestimmte Bibliotheken installiert waren. Ein einfacher Doppelklick auf die .sh-Dateien funktionierte nicht. Man fühlte sich in DOS-Zeiten zurückgesetzt. Für einen Umsteiger von Windows ist der Linux-Treiber also vollkommen wertlos. Dieses Manko ist zwar vornehmlich dem Gerätehersteller anzukreiden, trotzdem sollte man seitens der Distributoren denen endlich beibringen, dass nicht nur Konsolen-Hacker mit Linux arbeiten (wollen), sondern auch ganz normale Endanwender ohne Shell– und Englisch-Kenntnisse.
Probleme mit Orca und der Bildschirmlupe
Weil nicht jede Schrift (siehe vorheriger Punkt mit Schriftgröße, GTK+/Qt und WINE) gänzlich leserlich eingestellt werden konnte, wollten wir Orca ausprobieren. Orca ist ein Screenreader-Programm zum Vorlesen von angezeigten Texten und hat auch eine Bildschirmlupe im Gepäck. Leider ging erstmal beim Aufruf von Orca über das Menü gar nichts; und das, obwohl es bereits vorinstalliert war. Erst über die Konsole präsentierte sich eine Liste von Fragen, die Orca dem Benutzer stellte, auch wenn er von dem Gefragten keinerlei Ahnung hatte. Konsole + viele Fragen: eindeutig durchgefallen bei K. Wieso erscheint das nicht als grafische Oberfläche beim ersten Programmstart mit genauer Erklärung der Einstellungsmöglichkeiten oder gar vorausgefüllten Einstellungen? Auch weiß erstmal niemand, dass er zuerst die Konsole starten und dann händisch orca eingeben muss.
Danach gab es eine weitere böse Überraschung: Die Bildschirmlupe ist total für die Katz! Die Lupe war keine wie aus Windows bekannt, die man hin- und herschieben kann, sondern der gesamte Bildschirm wurde von einer vierfachen(!) Vergrößerung des Desktops eingenommen. Das war keine Lupe, das war ein Blick durch ein Fernrohr! Noch dazu ist die Handhabung mit Tastatur und Maus eine Katastrophe und das Einstellen einer nur 1,5-fachen Vergrößerung ein mittelgroßes Abenteuer. So kann man nicht effektiv arbeiten. Die Lupe sollte ein Hilfsmittel sein, kein Angst einflößendes Monstrum. Fazit: Die Lupe von Orca ist unhandlich und unnütz.

Eigentlich wollte ich K. live davon überzeugen, dass Linux und Ubuntu im Besonderen ein benutzerfreundlicher Ersatz für sein Windows XP darstellt, bei dem die Gefahr von Viren und anderen Systemangriffen minimal ist im Vergleich zum bisherigen System. Außer dass Software von Computer-BILD und andere EXE-Dateien und Treiber unter Ubuntu nicht mehr (oder mit WINE meistens nicht mehr) laufen, gibt es für die meisten Programme von Normalanwendern freie Pendants zu Windows-Programmen. Es fehlt somit nichts, wenn man sich auf die Umstellung auf die Linux-Programme einlässt.

Leider war der oben aufgelistete Erfahrungsschatz ein Schlag in die Magengrube einer Umstellung auf Ubuntu. Vielleicht kein endgültiger, aber doch ein schwerer Rückschlag. Und so oder ähnlich wird es sicher unzähligen Menschen gehen, die Ubuntu oder andere Distributionen ausprobieren und dann allein gelassen nie wieder ein Linux ausprobieren wegen ihrer schlechten Erfahrungen.

Schade eigentlich. Denn nur mit Reden über die Möglichkeiten freier Software, freien Wissens(-austausches) und unendlicher Möglichkeiten wird man niemanden von der Closed-Source-Welt wegbewegen können. Das können nur positive Erfahrungen in der Praxis.

Über Golem habe ich die Wiener Website Metalab gefunden. Sehr beeindruckend, was da alles gemacht wird. Am Erstaunlichsten fand ich den 3D-Drucker RepRap für Linux. (Mir gefällt, dass Ubuntu am Bildschirm im Abschnitt „What is RepRap?“ erscheint ;-)

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