Andere haben es schon überall im Web verkündet (z.B. Heise.de, ubuntuusers.de). Was soll man noch dazu sagen. Ich war immer ein Freund von internationalen Normen, habe auch in der Arbeit viel mit Normen zu tun. Was aber die letzten 15 Monate bei der ISO, beim DIN und beim ÖN vor sich ging, hat meine positive Meinung zu diesen sonst so unparteiischen und objektiven Organisationen zerstört. Als OpenSource-/ OpenAccess-/ Webstandards-/ OpenDocument-Befürworter mag ich befangen sein, aber erklärt mir mal einer diese ganzen Ungereimtheiten überall auf der Welt, die durch die (kurzfristige) Einmischung Microsofts und seiner Gold-Partner in den Normierungsgremien geschahen. Die ISO hat ihre Reputation verloren.

ÖN

Allein die Arbeit des ÖN erscheint mir suspekt. Meine Frage zur Entscheidungsfindung und zu öffentlich zugänglichen Informationen beim ÖN wurde im September 2007 gar nicht beantwortet, nur mit der allgemeinen Aussage, dass Ecma 376 im Februar 2008 nochmal zur Abstimmung steht und dass ich eingeladen bin mitzuarbeiten, wenn ich denn ein Experte sei. Nichts über die Mitglieder, die zu OOXML abgestimmt haben, nichts über Abstimmungsverhalten, Diskussionsinhalte oder sonstiges. Alles fand hinter verschlossenen Türen statt, ein Kampf zwischen Microsoft-Partnerfirmen auf der einen und jenen von IBM, Sun und der OpenSource-Welt auf der anderen Seite. Man kann sich ausrechnen, welche Seite mehr Firmen, Geld und Lobbyisten hinter sich scharen konnte. Microsoft hatte viel zu viel zu verlieren, um bei der ISO abgewiesen zu werden.

Zukunft

Nun gut, andere sehen die Zukunft für OpenDocument und OpenSource mit dieser ISO-Entscheidung rosiger als ich, zum Beispiel Andy Updegrove mit The Future of ODF and OOXML (englisch).

Aber man wird sehen, wie weit die Kommentare bei der ISO noch abgearbeitet und in die Norm zu OOXML eingearbeitet werden (oder ob sie nun mangels Interesse versanden?).

Man wird sehen, ob Microsoft dieses neue OOXML am Ende in sein Office-Paket übernehmen wird (wenn überhaupt, dann wahrscheinlich erst mit der nächsten MS Office-Version; Besitzer von MS Office 2007 werden mit dem veralteten, falschen OOXML weiterarbeiten müssen und unzählige ungenormte, nicht zukunftsfähige und nicht interoperable Dokumente erstellen).

Man wird sehen, wie weit Microsoft das ISO-OOXML in seine Produkte integrieren wird. Wird es so enden wie jedes andere Mal in der Vergangenheit, wie zum Beispiel bei POSIX in den 90ern, dass Microsoft das Minimum an geforderten Kriterien umsetzen und den Rest unter den Tisch fallen lassen wird? Nicht-Microsoft-Produkte werden dann mangels Kompatibilität wie bisher bei .doc/.xls/.pps von den Kunden und Behörden nicht verwendet werden (können). Für Behörden wird das Argument reichen, dass „OOXML ja genormt ist“, um weiterhin teure MS Office-Versionen mit Steuergeldern anzuschaffen. Für andere Produkte und Betriebssysteme wird es hingegen schwer werden.

Schöne neue standardisierte Microsoft-Welt.

Ältere Artikel zum Thema in diesem Weblog:

6 Kommentare

  • 1. GerhardG schrieb am 3rd April 2008 um 09:19 :

    In typischer Österreich Manier wird geraunzt und geseiert.
    Es ist ja auch viel einfacher aus der Ferne einfach nur zu raunzen, und mit falschen Beschuldigunen hausieren zu gehen.

    Wenn Sie die Aufforderung von der ON bekommen haben mitzuarbeiten, warum tun Sie das nicht? Das zeigt doch eindeutig, dass Sie gar kein Interesse haben etwas positives zu bewirken.

  • 2. Thomas S schrieb am 4th April 2008 um 19:55 :

    Sorgen über die schlechte POSIX-Implementierung von Microsoft (als eines von vielen Beispielen) waren/sind inhaltsloses Raunzerei und Geseier?

    Und im Gegensatz zu Microsoft Gold-Partnern trete ich nicht Normengremien unter dem Status eines „Experten“ bei, wenn ich mich nicht wirklich als Experte bezeichnen kann. Dazu sind meine Kenntnisse in XML zu bescheiden. – Ich kann dies so frei sagen. Ich bin weder ein Gold- noch sonstiger Partner einer Firma (habe also keine Interessenkonflikte und muss keine Normengremien lenken, um mein Milliardengeschäft weiter so führen zu können wie in der Vergangenheit), noch erhalte ich mein Gehalt in diesem Geschäftsfeld (und muss deshalb nicht so wie Sie nur überschwänglich Positives über die Firma/OOXML berichten).

  • 3. GerhardG schrieb am 5th April 2008 um 00:11 :

    Da ihnen POSIX so wichtig sein dürfte: Haben Sie nur zufällig vergessen, dass Linux nicht POSIX konform ist, oder absichtlich verschwiegen?

  • 4. Thomas S schrieb am 6th April 2008 um 18:09 :

    Die meisten Linux-Distributionen sind (von Haus aus) größtenteils POSIX-konform. Windows ist das nur mit zusätzlich zu installierenden Komponenten. Außerdem hat die Implementierungsqualität in Windows ganz andere Auswirkungen auf die Akzeptanz von POSIX als jene von Linux-Distributionen – Windows beherrscht den Markt. Und was Windows nicht gut kann, wird am Markt nicht gut akzeptiert.

  • 5. GerhardG schrieb am 22nd April 2008 um 22:26 :

    Klar, jetzt ist wieder das „pöse“ Windows schuld, dass sich Posix nicht durchgesetzt hat, und auch von Linux nicht gescheit unterstützt wird. Wie sollte es auch anders sein?

  • 6. Thomas S schrieb am 23rd April 2008 um 20:51 :

    Sie haben gesagt, dass Windows daran Schuld wäre, dass sich Posix nicht durchgesetzt hätte. Nicht ich. Legen Sie mir bitte nichts in den Mund bzw. an die Tastatur.

    Ich habe gesagt: Was Windows nicht unterstützt, ist gemeinhin irrelevant; was Windows schlecht unterstützt, bekommt einen schlechten Ruf und wird sich gemeinhin schwerlich durchsetzen können.

    Und bitte spammen Sie mein Blog nicht zu bei jedem ODF/OOXML-Artikel. Ich tue das auch nicht in Ihrem „Marketing“-Blog.

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